114 Dr, E, Wienbeck:
den Parlamente teils durch vorübergehende Sonderkredite, teils durch
Vorbereitung besonderer Kreditmaßnahmen,
Sodann muß die Steuerlast, die auf dem selbständigen Hand-
werk ruht, vermindert werden, Der Mittel- und Kleinbetrieb opfert
heute in der Gewerbe-, Einkommen-, Umsatz-, Hauszins- und Grund-
steuer etwa das Sechzehnfache der Friedensbesteuerung und 25 bis
40 % des Reinertrages. Die Entlastung ist notwendig und kann so-
wohl dadurch erreicht werden, daß für Handwerksbetriebe gewisse
steuerfreie Einkommens- oder Umsatzgrenzen gelassen werden, als
auch dadurch, daß man einstweilige Notsteuern, deren Aufbau und
Wirkung offenbar ungerecht sind, wie z.B. die Umsatz- und Luxus-
steuer, beseitigt.
Es versteht sich von selbst und sei nur nebenbei bemerkt, daß noch
geltende Verordnungen über Preisbildung und Preisprüfung
als Überreste der wirtschaftlichen Notgesetzgebung des Krieges
schleunigst abgebaut werden müssen, Solche Verordnungen richten
sich hauptsächlich gegen Handwerk und Einzelhandel als die Letzt-
verarbeiter und Letztverteiler und hindern bei stabilisierter Währung
jede gesunde Entwicklung des freien Wettbewerbs,
Die vorstehenden Ausführungen begründen nur in den wichtigsten
Punkten, was auch in dem Artikel 164 der Verfassung des Deutschen
Reiches vom 11. August 1919 gefordert wird: „Der selbständige
Mittelstand in Landwirtschaft, Gewerbe und Handel ist in Gesetzgebung
und Verwaltung zu fördern und gegen Überlastung und Aussaugung zu
schützen,“
V. Selbsthilie des Handwerks,
Die Ausbildung des Handwerks auch in kaufmännischer Hinsicht
wird durch die Gesellen- und Meisterprüfungen, denen sich heute kaum
ein Handwerker noch entziehen kann, gewährleistet. Die Vorbereitung
zu diesen Prüfungen und Weiterbildung darüber hinaus wird durch Fort-
bildungs- und Fachschulen aller Art, sodann durch Meister- und Buch-
führungskurse überall unterstützt.
Die Organisation ist bereits oben geschildert; ebenso die
Kredit- und Auftragsvermittlung, Sehr schwierig liegt die Preis-
bildung im Handwerk, und zwar deshalb, weil die Kundschaft volks-
wirtschaftlich viel zu wenig geschult ist, um OQualitätsarbeit von
Massenarbeit durchgängig zu unterscheiden. Es ist viel weniger
bekannt, als man glauben sollte, daß z. B. Anzüge und Schuhe sich nach
Sitz und Haltbarkeit bedeutend unterscheiden, je nachdem sie Hand-
oder Fabrikarbeit darstellen. Das gleiche gilt von allen Waren, die
gute Form und reifen Geschmack beweisen sollen, Somit muß gute
Handwerksware teurer sein als maschinelle Massenware, und die Löhne