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ungehemmte Spekulationsmöglichkeiten sich auch für solche eröffnet
hatten, die den Schild der Wirtschaft zur Verdeckung ihres Eigen-
nutzes mißbrauchten, oder die doch, wenn sie guten Glaubens waren,
in ganz unwirtschaftlicher Weise den Augenblickserfolg über den
Dauererfolg stellten. Tatsächlich hat ja auch unsere Großindustrie ihre
moralische Unantastbarkeit durchaus bewahrt, und sie wird immer
Mittel und Wege finden, ihre Unabhängigkeit gegen diejenigen zu ver-
teidigen, die einseitig finanzielle Interessen verfolgen,
Ist die Wirtschaft also nicht nur Beruf, sondern Lebenseinstellung,
so kann ein Buch wie das vorliegende nicht allein für Fachleute
geschrieben sein, Es kommt vielmehr darauf an, die Fäden zu ver-
folgen, die sich nach allen Seiten ausspinnen, um auf anderen Wegen
wieder in die Wirtschaft zurückzuführen. So wird denn nicht nur jeder
Kaufmann, jeder Techniker, jeder Handwerker und jeder gebildete
Arbeiter, sondern auch jeder Verwaltungsbeamte, jeder Jurist, jeder
Politiker, ja jeder Deutsche, gleichviel, welchem Beruf er angehört, beim
Lesen dieser Aufsätze die Empfindung haben, daß das, was er liest,
seine eigene, ihn unmittelbar angehende Sache ist,
Wie aber hier nur einiges hervorgehoben werden konnte, so konnte
auch das Buch selber aus der Mannigfaltigkeit der Fragen und Probleme
nur einen Auszug bringen. Es gilt hier dasselbe wie für die Auswahl
der Bilder, durch die ein Ausblick in die wirtschaftliche Führerschaft
Deutschlands gegeben werden soll, die aber nicht den Eindruck
erwecken sollen, als seien damit die tatsächlichen wirtschaftlichen
Führer restlos erfaßt. Einer derartigen bildlichen Zusammenstellung
wird auch dadurch eine gewisse Unvollkommenheit anhaften, daß
manche, die unter den Führern unserer Wirtschaft an hervorragender
Stelle stehen, aus verschiedenen Gründen nur ungern mit ihrem Bilde
vor die größere Öffentlichkeit treten. Immerhin dürfien die bei-
gegebenen Bildertafeln eine interessante Auswahl aus den verschie-
denen Gebieten unseres Wirtschaftslebens darstellen”).
Soll eine künftige Auflage den gesteckten Zielen näher kommen,
so müssen die Leser sich zu eigener Mitarbeit entschließen; sie müssen
den Herausgebern oder dem Verlage mitteilen, in welcher Beziehung
nach ihrer Ansicht Ergänzungen und Änderungen wünschenswert sind.
Bielefeld, im November 1925.
Die Herausgeber.
*) Die Tafeln sind nach Fachgruppen, diese unter sich in alphabetischer Reihen-
folge geordnet.
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