Die wirtschaftliche Führerpersönlichkeit, 17 1
diesem Zweck anwendbar erscheinen, oder ob nicht andere Wege für
uns Deutsche die richtigeren sind, Wenn man das Für und Wider sorgfältig
abwägt und unseren Entwicklungs- und Bildungsstand genügend
berücksichtigt, so wird man wohl zu der Überzeugung gelangen müssen,
daß in der Herausschleuderung von Millionen Stück Massenware die
Amerikaner schon wegen ihres gewaltigen Geld- und KRohstoffvorsprunges
in den meisten Gewerben uns schlagen werden und daß
höchstwahrscheinlich Erfolge auf dem Weltmarkt auf die Dauer nur
mit der besseren Qualität und geschmackvolleren Ausführung der deutschen
Waren erzielt werden können.
Faßt man dieses Ziel ins Auge, so wird der Handarbeiter, der schon
nach einer halben Stunde Übung gemäß amerikanischem Muster seinen
reichlichen Lebensunterhalt verdienen kann, bei uns zu den Ausnahmen
gehören, und es wird die unausgesetzte Sorge der Führer in der Wirtschaft
sein müssen, den Boden für Qualitätsleistungen auf jede nur
denkbare Weise vorzubereiten und zu ebnen. Daneben sind auch in
erster Linie die bereits erwähnten Maßnahmen erforderlich zur Wiedererweckung
der alten deutschen Freude an der Arbeit, die uns hochgebracht
hat und die allein uns wieder vom Joch des Frondienstes und
aus der Armut befreien kann.
Das Leben ist so vielgestaltig, die Betriebe, der Menschenschlag,
die Charaktere und Begabungen der Wirtschaftsführer und ihrer Mitarbeiter
sind so verschieden, daß es eine der individuellsten Aufgaben
bleiben wird, wie jeder einzelne dabei im Sinn der Gemeinsamkeit der
Arbeit zu wirken vermag, aber ständig vor Augen halten muß sich der
verantwortliche Leiter, daß das Wohl des schwergeprüften Vaterlandes
von seiner Einsicht und Tatkraft, von ruhiger, wohlmeinender Führung
der unter ihm Arbeitenden mit abhängt. Wir stehen noch auf vulkanischem
Boden, heftige Strömungen politischer und wirtschaftlicher
Natur werden das Wirtschaftsleben nach wie vor beunruhigen; um so
mehr hat jeder einzelne innerhalb seiner Grenzpfähle die Pflicht, das
Staatsbewußtsein seinen Tagesaufgaben voranzustellen und nie zu vergessen,
daß Deutschland von uns fordert, daß wir Deutsche sind und
deutsche Menschen deutsche Eigenart auch dem Wirtschaftserzeugnis
und der Wirtschaftsführung ihren Stempel aufdrücken müssen.
Es ist keine glückliche Konstellation, daß gleichzeitig niemals so
dringend die Mitarbeit der Wirtschaftskenner im Staate und an seiner
Leitung notwendig war wie jetzt, und doch infolge des Rückganges der
Betriebskapitalien und damit des durchschnittlichen Standes der deutschen
Betriebe die Möglichkeiten dazu so gering sind, denn die starken
Ziffern der Arbeitslosen verlangen neben allen anderen zwingenden
Gründen gebieterisch die Einsetzung jeder tüchtigen Kraft an der