Wirtschaftliche Betriebsmethoden. 199
den Geist der Leute lebendig zu erhalten, sie von der eigenen Durchdenkung
der Herstellungsmethoden nur insoweit zu befreien, wie an
anderer Stelle ein Mehr an geistiger Anspannung erforderlich wird.
Der Taylorismus hat bekanntlich mehrere Seiten: die erste Stufe ist
die systematische vorherige Überlegung der später erforderlich werdenden
Arbeitsgänge. Er sucht dabei arbeitsteilig zu erzwingen, was immer
geschehen sollte, aber infolge der psychologischen Einstellung der
Menschen durchaus nicht immer geschieht, nämlich daß die Überlegung
der Ausführung vorangeht. Die zweite Betätigung des Taylorismus
ist das Studium der günstigsten Ausführung der erforderlichen Bewegungen,
die dritte die Anlernung der Arbeiter zu diesen optimalen
Bewegungen, die vierte die Anpassung der Vorrichtungen und Werkzeuge
an die ermittelten günstigsten Verfahren und Handgriffe.
Es ist klar, daß die genaue Durchdenkung und Festlegung, wo es
sich, wie es in der Regel bei der Fabrikation der Fall ist, um zahlreiche
aufeinanderfolgende Arbeitsgänge und Handgriffe handelt, zunächst
einen großen einmaligen Arbeitsaufwand sowie erhebliche Kosten für
die erforderlichen Umstellungen und Einrichtungen erfordern. Diese
Aufwendungen rechtfertigen sich nur da, wo eine große Anzahl von Erzeugnissen
für lange Dauer mit Sicherheit nach dem gleichen Verfahren
hergestellt werden kann. Man darf die Gefahr nicht verkennen, die
darin liegt, daß man aus Scheu vor den erheblichen Umstellungskosten
unter Umständen länger, als richtig ist, bei veralteten Fertigungen
stehenbleibt. Die Möglichkeiten der Taylorisierung sind am größten,
je mehr man sich spezialisiert, aber dann tritt wieder der Umstand ein,
daß die Taylorisierungsbüros in langen Zwischenzeiten unterbeschälftigt
sind, Nur in sehr großen Betrieben wird man dauernd volle Beschäftigung
für Spezialisten auf diesem Gebiet haben. Die einseitige Spezialisierung
der Fabrikation, die die Taylorisierung erleichtert, hat zugleich
die von mir in anderem Zusammenhang schon angedeuteten großen
Gefahren nach der Absatzseite. Niemals kann man wissen, ob man
nicht durch Konstruktion eines Wettbewerbers, durch ganz neue Erfindungen
oder auch durch plötzliches Versagen des Bedarfs aus seinem
Spezialgebiet hinausgedrängt wird. Schon aus dem Grunde wird man
sich nicht zu einseitig spezialisieren und werden sich die Kosten weitgetriebener
Taylorisierung nicht immer rechtfertigen. Oft genügt es
unter diesen Umständen — und das sollte allerdings in keinem neuzeitlichen
Betriebe versäumt werden —, daß man die Gedanken des Taylorismus
zum Gemeingut der gesamten Angestellten- und Arbeiterschaft
macht, auch wenn man keine besonderen Einrichtungen dafür trifft
und keinen Zwang ausübt. Diese mittelbare Taylorisierung, die man