200 Prof. Dr. O, Goebel:
durch Vorträge, persönliche Anregung, Prämien usw. erreichen kann,
führt mit geringen Kosten oft zu guten Erfolgen,
Die nicht zu entbehrende Willigkeit der Arbeitnehmer gegenüber
den Taylorisierungsbestrebungen wird weitgehend durch die Stellungnahme
des Arbeitgebers zur Arbeitszeitfrage bedingt. Es ist hierbei
vor jeder doktrinären Einstellung zu warnen, wie es ja gerade auch
im Interesse der Arbeitnehmer zu bedauern ist, daß der Achtstundentag
als Doktrin, ohne Rücksicht auf die weitgehenden Verschiedenheiten
in verschiedenen Arbeitsarten, die Tendenz immer weiterer Verkürzung
der Arbeitszeit aus dem Eigeninteresse des Unternehmers heraus
durchbrochen hat. Darüber besteht ja kein Zweifel, daß der Arbeitgeber
im großen und ganzen (eine wichtige Ausnahme bilden ununterbrochene
Betriebe, wo damit die Entscheidung zwischen doppelter und
dreifacher Belegschaft verbunden ist) kein Interesse daran hat, daß
länger gearbeitet wird als bis zur Erreichung der optimalen Produktion.
Diese liegt bei vielen Arbeitsarten beim Achstundentag, allerdings nur
dann, wenn innerhalb dieser Stunden mit voller Intensität gearbeitet
wird, eine Voraussetzung, die heute vielfach noch nicht wieder vorliegt,
sich aber allmählich wieder durchzusetzen scheint. Die grundsätzliche
Stellung des einzelnen Arbeitgebers zur Arbeitszeitfrage in
seinem Betrieb ist jedenfalls von entscheidender Bedeutung für die
Betriebsführung.
Es ist selbstverständlich, daß die Voraussetzungen für die Taylorisierung
wie durch Spezialisierung, so auch durch Normung stark gefördert
werden, Bei der Normung muß man die allgemeine von derjenigen
innerhalb der einzelnen Betriebe unterscheiden. Die allgemeine
Normung schreitet nur sehr langsam fort. Ein Grund der Ablehnung
allgemeiner Normung ist häufig der, daß große und gute Firmen kein
besonderes Interesse daran haben, durch weitgehende Normung kleineren
Wettbewerbsfirmen die gleiche und gleichzeitige Verbesserung
ihrer Konstruktionen zu ermöglichen, ohne daß diese wesentliche eigene
Arbeit und Kosten dafür aufgewendet hätten. Der Vorsprung führender
Firmen kann dadurch gelegentlich beeinträchtigt werden. Eine
gemeinsame Gefahr von Normung und Typisierung ist die des Stillstandes
im Fortschritt, Sie ist groß bei der Typisierung. Man kann
hier sagen: „Das Gute ist des Besseren Feind,” Nur schwer wird man
sich entschließen, zugunsten oft vielleicht nur geringfügiger Verbesserungen
womöglich die ganze Grundlage der Fertigung umzustoßen ‘und
kostspielige Einrichtungen stillzusetzen, Auch pflegt das Werk mit typisierten
Fabrikaten weniger neue Erfahrungen zu sammeln, so daß ihm
Fortschritte auch aus diesem Grunde weniger leicht fallen als Werken,
die an individuellen Konstruktionen festgehalten haben. Geringer ist