Full text: Die deutsche Wirtschaft

Deutsche Wirtschaftsbeziehungen zu Österreich, 241 
beschäftigten zu Fuggers Zeiten über 40000 Bergknappen; ein Zeit- 
genosse pries den Bergsegen Tirols als die unermüdliche Quelle, welche 
ganz Deutschland mit Geld (Gold und Silber) versieht. Der Geister- 
schacht in Röhrenbüchel zählte mit seinen 1200 Metern im 17. Jahr- 
hundert zu den tiefsten Bergbauen der Welt, 
Viele einstige Betriebe sind, wohl hauptsächlich, weil sich die alte 
primitive Baumethode überlebt hatte, und wegen Mangels an großen 
Kapitalien zum Stillstand gekommen, Es ist jedoch zu hoffen, und die 
jüngsten Erfahrungen berechtigen dazu, daß die in neuerer Zeit wesent- 
lich vervollkommnete Arbeitsweise, namentlich die elektrolytische Ver- 
hüttung, wofür genügend Wasserkräfte zur Verfügung stehen, den alten 
Tiroler Bergsegen wiedererwecken und neues Leben aus so manchen 
aufgelassenen Gruben erblühen werde.“ 
Diese Darlegungen der Handelskammer zu Innsbruck können 
getrost auf ganz Deutschösterreich übertragen werden, vornehmlich 
der Satz, daß sich die alte primitive Bergbaumethode überlebt hatte 
und für die Modernisierung das Kapital fehlte. 
Für die Steinölgewinnung sind inzwischen auch neue Unternehmen 
gebildet worden, z.B, die Suchywerke in Kufstein, welche inzwischen 
in den Besitz der Oberschlesischen Kokswerke übergegangen sind. Die 
Mergel-, Kalk- und Tonvorkommen an fast allen Ecken und Enden 
Deutschösterreichs sind für die Portlandzementerzeugung wie 
geschaffen, Nur einige Fabriken der Perlmooser A.-G. von allerdings 
großer Bedeutung gibt's in Nordtirol; aber gerade Perlmoos hat den 
guten Ruf des österreichischen Zements so gefestigt, daß der vermehrte 
Absatz weiteren Fabriken zu gegebener Zeit keine Sorgen machen 
würde, Zu begrüßen ist es, daß — um einen Moment bei der Keramik 
im engeren Sinne zu verweilen — auch in jüngster Zeit anerkannt 
wurde, welche Werte in den Kaolinlagern hierzulande stecken. Ferner 
könnte Deutschösterreich den Wettbewerb auf dem Gebiete der Hohl- 
gläser glatt forcieren; ob auch mit den feinen Glasartikeln Böhmens, 
das vermag ich nicht zu sagen, weil ich über Kontrollbohrungen nach 
sehr reinem Quarz nie etwas gehört habe. Durch rationelle Schafzucht 
könnte die Gewinnung von Wolle für Loden- und Tuchfabriken, für 
Strumpfstrickereien und Wirkwaren sichergestellt werden; der Rüben- 
bau gäbe neuen Zuckerfabriken Arbeit; vermehrte Kartoffel- und 
Weizenerzeugung ermöglicht industrielle Stärkeerzeugung usw. 
Es dürfte den Rahmen der mir gestellten Aufgabe weit über- 
schreiten, wenn ich über diese Erwähnungen hinaus die Entwicklungs- 
möglichkeiten noch gar mannigfacher Industrien schilderte, sei es 
mechanische, sei es Hausindustrie. 
Die deutsche Wirtschaft. 
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