248 Dr.-Ing. Dr, rer. pol. Waffenschmidt:
schaften”, zu denen auch das „Recht‘“ überhaupt, die „Gesellschafts-
lehre‘ im weiteren Sinne, zu rechnen ist.
Für den Bereich der angewandten Naturwissenschaften aber hat
sich ein ganz geläufiger Begriff, „Technik“, gebildet. Beide, Technik
und Wirtschaft, haben das gemeinsam, daß sie nicht um der bloßen
Erkenntnis willen da sind, sondern dem Leben dienen. Als ange-
wandte Naturwissenschaft ist die Technik im wesentlichen „kausal“
orientiert, das heißt: ihre Hauptfrage richtet sich auf Ursacheund
Wirkung, ihre Hauptordnungslinie liegt in den Gesetzen des Dinges,
des Objektes, der äußeren Natur. Die Wirtschaft aber fragt nach
dem Zweck; sie richtet das Geschehen nach der Gesetzmäßigkeit
der Gesellschaft, des Menschen, des Subjektes als Gegenstand der
Fürsorge,
Diese Trennung zwischen Technik und Wirtschaft ist aber, so
erstrebenswert sie wäre, nicht streng durchzuführen. Beide Anwen-
dungen der Wissenschaften durchdrin gen sich, Technik ist tat-
sächlich mehr als nur kausal orientierte Naturwissenschaft, denn auch
ihr ist bereits ein Ziel gesetzt oder, mit einem Kunstwort: auch sie
ist final orientiert, Nicht ausschließlich, aber beherrschend wird
diese finale Orientierung der Technik durch die Wirtschaft vorge-
nommen, Durch sie ordnet der Mensch der Technik ihre Aufgaben zu.
Die Wirtschaft ist mehr als die Technik zweckbestimmt.
Aber auch die Wirtschaft kommt ohne Beachtung des Naturgesetz-
lichen nicht aus, Sobald sie über die primitiven Verhältnisse hinaus-
geht, ist ihre Existenz von der der Technik abhängig.
= Nicht immer war es so, daß die Wissenschaft im täglichen
Leben angewandt wurde, Das Mittelalter war beherrscht von
transzendenten Ideen, Die Wirtschaft kam nur insoweit in Frage, als
sie zur Freimachung des Weges von irdischen Sorgen für den Aufstieg
zu Gott dienen mußte, Dem Glauben gegenüber war das Wissen
belanglos, Zünftlerische Gebundenheit des Absatzes, Taxen als „Se-
rechter Preis‘, Zinsverbot sind wirtschaftliche Folgen dieser Welt-
anschauung,
Es ist bezeichnend, daß diese gegenrationalistische Einstellung sich
auch bei der Technik des Mittelalters geltend machte, so allerdings, daß
in genialer Umkehr durch eine peinlich vorsichtige Tradition, wenn auch
in langsamem, zögerndem Aufstieg, doch technische Meisterwerke, ins-
besondere der Baukunst, geschaffen wurden. Aber der Techniker
sieht im gotischen Geist die intuitive Gewalt der unterdrückten Ratio
in mannigfacher Form,
Auch heute ist das Unrationelle keineswegs, weder aus
der Technik, noch aus der Wirtschaft, verschwunden. Sehr starke