Die angewandten Naturwissenschaften im Dienste der Wirtschaft, 249
Kräfte willkürlicher Art regieren in der Wirtschaft und verhindern eine
stetige vernunftmäßige Regelung, und jede „Mode'-Industrie weiß hiervon
ein Lied zu singen,
In der Technik aber ist der empirisch arbeitende zünftlerische
Handwerker nicht verschwunden, der mangels Übersicht über Ursache
und Wirkung ängstlich an der Einhaltung der Regel klebt, mit Recht
fortschrittsfeindlich ist, da er eben die Folgen von Abweichungen nicht
übersieht,
Für diese technischen und wirtschaftlichen Empiriker ist der Fortschritt
höchstens zufallgeboren und etwas ihrem System Feindliches;
nichts könnte den Abstand von früheren Zeiten so kennzeichnen, wie
gerade die Pietätlosigkeit der heutigen Technik und Wirtschaft und
ihr Verdacht gegen jedwede Anordnung, für die keine logische oder
sachliche Begründung gegeben werden kann.
Auch in der Wirtschaft findet sich heute die Naturwissenschaft
angewandt, ohne daß sie den Umweg über die
Technik gewählt hätte, Insbesondere beginnt die Psychologie und
Physiologie vorzudringen. Als Ausgangspunkt des Wirtschaftens wird
üblicherweise das Bedürfnis als einfach gegeben von der Theorie dargestellt,
Tatsächlich ist auch die menschliche Natur so glücklich eingerichtet,
daß sie allen naturgesetzlichen Folgen mit mehr oder
weniger starkem Drang Geltung verschafft, Hunger, Durst, Schutzbedürfnis
vor Kälte und Hitze, alle Spielarten von Lust und Unlust
gehören hierher, Die Wissenschaft ist mit diesen Bedürfnissen als
Grundlage nicht zufrieden; sie geht den Kräften weiter nach und
kommt tatsächlich zu vielfach vertieften, neuen Ergebnissen. Sie erkennt
die Atmungsvorgänge in ihrer chemischen Gesetzmäßigkeit, sie
analysiert die Ernährungsbedürfnisse in Kohlenhydrate, Eiweiß und
Fette, Sie führt in der Kalorie ein Maß für die Ernährungsvorgänge
ein, Sie untersucht weiterhin den Einfluß der verschiedenen Lebensbedingungen,
so z.B, die Abhängigkeit von Klima und von Beschäftigung,
Sie dringt auch tiefer in die Analyse der unterbewußten
Psyche vor,
Dieser Dienst, den die Naturwissenschaft durch die Psychologie
und Physiologie der Wirtschaft unmittelbar leistet, tritt
aher gegenüber dem mittelbaren Dienst durch die Technik sehr
zurück, Deren Wirken gerade in der Wirtschaft ist so beherrschend,
daß man schon den gesamten Bereich der Produktion der „Technik“
zuschreiben wollte; die Belange, die bei der Erzeugung von Gütern
und Leistungen maßgebend sind, machen das erklärlich. In der Landwirtschaft,
dem Bergbau, der mechanischen Technologie, dem Holzbearbeitungsgewerbe,
der Metallbearbeitung und der Textilindustrie,