252 Dr.-Ing, Dr. rer. pol. Waffenschmidt:
nun unerbittlich die Fehler der Berechnung und Konstruktion, und der
schöpferisch tätige Ingenieur empfindet darin eine gewisse Überlegen-
heit gegenüber andern Geistesarbeitern, daß er die Richtigkeit seines
Denkens nachweisen kann, daß er, geschult durch erwiesene Fehler-
haltigkeit, zur Vorsicht und Gewissenhaftigkeit erzogen wird,
Nach der Herstellung folgt nun die Inbetriebnahme, die
lebendige Benützung des technischen Produkts, hier also die Belastung
durch den Verkehr, bei der Maschine die Arbeitsleistung, die sie voll-
bringt, Hier zeigt sich erst in vollem Umfang, ob der Gesamt-
ertrag dem Gesamtaufwand entspricht. Die tech-
nisch-sachliche Lösung reicht, wie schon erwähnt, ganz offenkundig zur
Rechtfertigung des Unternehmens nicht aus, es muß noch die mensch-
lich-gesellschaftlich-wirtschaftliche Rechtfertigung gegeben sein. Die
Brücke muß in dem Ausmaß, in dem sie gebaut ist, auch wirklich be-
nutzt werden, und letzten Endes müssen die Werte, die durch sie ge-
schaffen sind, größer sein als die Werte, die in sie hineingesteckt und
anderer Verwendung entzogen wurden.
Zu dieser Ordnung der technischen Gestaltung durch die Wirt-
schaft im ganzen kommt die mannigfache Beeinflussung beider im ein-
zelnen, Gleich zu Anfang der Produktion, und zwar gerade bei der
eigentlichen Produktion der Genuß- und Gebrauchsgüter, leistet die
angewandte Naturwissenschaft der Wirtschaft grundlegende Dienste,
Man muß sich nur vor Augen halten, daß die Dinge nicht um
ihrer selbst willen, sondern um ihrer Eigenschaften und Leistungen
willen erzeugt werden, wobei diese Leistungen zumeist in
sehr mittelbarer Weise, aber zuletzt doch immer zur Bedürfnis-
befriedigung beitragen müssen. Einer Ordnung der primären Bedürf-
nisse durch die Physiologie und Psychologie steht eine Ordnung der
primären Bedürfnisbefriedigungsmittel durch die
Technik gegenüber nach ihrer Eignung für die wissenschaftlich analy-
sierten Bedürfnisse, „Reform‘ ist das Kennwort für derartige Ratio-
nalisierungsbestrebungen, Reformspeise, Reformkleidung,
Die naturwissenschaftliche Reduktion, die Analyse der
Eigenschaften einer Ware, sei es Zerreißfestigkeit, Arbeitsfähig-
keit, Wärmeleitungsverhältnis, Widerstand gegen Nässe, Nährwert,
Heizkrafi, Süßigkeitsgehalt, Färbekraft, ist uns jetzt so geläufig, daß
wir diese Leistung der Naturwissenschaft für die Wirtschaft nicht
weiter bewundern. Wer aber vielleicht vor Jahrzehnten im Ausland
die deutsche Ware ohne jede weitere Begründung als schlecht herunter-
setzen hörte, dem mußte die hadernde Frage auf der Zunge brennen:
Gibt es denn hier kein Mittel sicherer Beweise, kein Mittel, um diese