260 Die angewandten Naturwissenschaften im Dienste der Wirtschaft,
Nieten, Schrauben, Träger usw., Normen schafft, welche dann bei einer
größeren Anzahl von Fertigfabrikaten Verwendung finden. Zu diesem
Zweck muß aber die Technik sachgemäße, genaue Maße feststellen,
welche die Gewähr bieten, daß die Verwendung der Normen zum Erfolg
führt. In der deutschen Industrie ist hierfür ein besonderer Normen-
ausschuß gebildet worden,
Des weiteren übt aber die Technik nun wieder ihrerseits mit dieser
Normalisierung einen Einfluß dahin aus, daß die Wirtschaft den Bedarf
normalisiert und nicht jedem kleinlichen Einzelwunsch Rechnung trägt.
So schreitet die Verquickung von Technik und Wirtschaft fort, daß
die Unterscheidung von Diener und Herr schwer wird.
Man mag in unserem kapitalen Wirtschaftssystem und insbeson-
dere in der Verteilung seines Ertrages Mängel genug erblicken; für den
Techniker stellt es einen Mechanismus dar, der in einer unerhörten
Feinheit die letzten Kräfte und auch die der angewandten Naturwissen-
schaften in ihren Dienst stellt. Trotzdem erblickt er auch eine große
Anzahl von Störungserscheinungen (insbesondere Krisen), die in den
Sinn technischen Gestaltens nicht hineinpassen, und es ist für ihn inter-
essant, zu verfolgen, wie von verschiedenen Seiten her ein Angriff auf
diese Mängel erfolgt, insbesondere aber auch aus den Reihen der tech-
nischen Betriebe. Zweifellos erkennt der Tieferblickende eine starke
Beeinflussung der Wirtschaft durch technische Denkart, die sich durch-
aus nicht in einem öden Materialismus erschöpft; so ist es nicht aus-
geschlossen, daß der Einfluß der angewandten Naturwissenschaften in
immer weiterem Umfang das menschliche Handeln beeinflußt zu dem
Ende, daß der Mensch von dem Objekt Besitz ergreift, wie er jetzt um-
gekehrt in Not und Verblendung von ihm besessen ist.
Damit wird das Thema: Angewandte Naturwissenschaft im Dienste
der Wirtschaft gehoben zum Thema: Wirtschaftliches und technisches
Denken im Dienst der Menschheit.