thumbs: Wirtschaftlichkeitslehre

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pilligen. Wir denken dabei vor allem an die Normung und Stan- 
dardisierung oder Typisierung (Vereinheitlichung) der Haus- 
haltungsgegenstände. Hier stoßen wir zum ersten Male in unseren 
Betrachtungen auf zwei termini technici der Rationalisierung, die 
n der allgemeinen Diskussion über sie wohl am häufigsten ge- 
braucht werden, wenngleich nicht immer in klarer Unterscheidung. 
Unter »Normung« sollte man nur die Herstellung eines Gegen- 
standes in gleichen Maßen (man denke z. B. an das genormte 
Papierformat), unter »Standardisierung« die‘ möglichste Ver- 
ringerung der Zahl der Qualitäten und Sorten eines Gegen- 
standes verstehen. Gegen beide Maßregeln der Rationalisierung — 
wir wollen schon hier davon handeln — wird häufig der Vorwurf 
erhoben, daß sie dem Geiste der Individualität, der Qualitäts- 
arbeit, der »persönlichen Note«, überhaupt der alten europäischen 
Kultur zuwider vorgeschlagen werden — ein durchaus unberech- 
tigter Vorwurf, denn im Bereiche der vielen Gebrauchsgegenstände 
des Alltages spielt künstlerisches Denken und Entwerfen, indivi- 
düeller Geschmack und Persönlichkeit wahrlich keine Rolle; Nor- 
mung und Standardisierung haben vielmehr den entscheidenden 
Vorteil, daß sie uns befähigen, diese Dinge in größerer Menge 
gleichartig, also weit billiger herzustellen und damit sowohl zur 
reichlicheren Deckung des Bedarfes an ihnen als auch zur besseren 
Befriedigung wirklich individuell zu deckender Bedürfnisse (der 
Kultur) beitragen. Es ist somit ein wirtschaftlicher und ein kul- 
:ureller Vorteil gegeben. 
Das Gesagte findet nun seinen Beweis schon in der Sphäre der 
Hauswirtschaft. Hat es irgendeinen vernünftigen Grund, daß z. B. 
die Bestandteile der technischen Haushaltungsbehelfe (Fleischhack- 
maschinen, Einmachgläser, Herdplatten, Roste, Bügeleisen, Wasch- 
rumpeln U. a. m.) nicht genormt sind oder daß von diesen Dingen 
Dutzende verschiedener Sorten hergestellt werden? In Deutschland 
hat man nicht weniger als 91 verschiedene Typen von Herdplatten 
gezählt; es gibt da eigene Berliner, Posener, bayrische usw. Platten, 
alle in verschiedenen Größen, mit verschiedener Anordnung der 
Löcher! Eine Firma liefert allein 283 verschiedene Typen von Rost- 
stäben für Kochherde; jede Stadt hat ihre besonderen Stäbe — 
liegt dies etwa im Sinne eines berechtigten »Lokalpatriotismus«? 
3 bis 4 Typen, richtig dimensioniert, würden nach der Ansicht von 
Fachleuten durchaus genügen. Wenn an einer Fleischhackmaschine
	        
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