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aber auch durch die stark überfließenden Steuerquellen der letzten
Jahre zu einer Gestaltung unserer gesamten Ausgabenpolitik gekom-
men sind, die im schärfsten Widerspruch zur Leistungsfähigkeit der
Wirtschaft und zu den in den nächsten Jahren aufzubringenden Steuern
steht. Nach der im Sommer 1925 abgeschlossenen Steuerreform muß
unbedingt eine Finanzreform kommen, d, h. eine Einstellung der Aus-
gaben auf die Einnahmemöglichkeiten, In Zukunft sind nicht mehr die
Ausgaben zuerst zu beschließen und entsprechend die Einnahmen fest-
zusetzen, sondern die harte Not zwingt jetzt zu dem umgekehrten
Verfahren,
Damit komme ich zu der anderen Seite des Problems, zur Aus-
gabenwirtschaft der öffentlichen Körperschaften, Im Jahre 1924 er-
hielt das Reich rund 1 Milliarde mehr an Steuern als veranschlagt war,
einen Betrag, der höher ist, als die Dawes-Anleihe von 800 Millionen
Mark, über den die ganze Welt in Aufregung gesetzt wurde. Von den
gesamten Steuereinnahmen des Reichs in Höhe von 7,3 Milliarden sind
rund 2,8 Milliarden an Länder und Gemeinden überwiesen worden,
Wenn man dann noch die Ausgaben für die Kriegslasten absetzt, so
hat das Reich allein 1924 so viel an Steuern verbraucht, als 1913 in
Reich, Ländern und Gemeinden an Steuern aufgekommen sind, 1924
haben alle Verwaltungen fast das Dreifache des gesamten Steuerauf-
kommens von 1913 für ihre Zwecke verbraucht. Für 1925 rechnen diese
Körperschaften zum Teil mit noch höheren Ausgaben, Der Reichs-
tag hat allein in der letzten Sitzungsperiode so viel neue Ausgaben
beschlossen, daß der Reichsetat mit 800 Millionen Mark mehr belastet
wird, d, h, dem doppelten Betrage des Aufkommens der preußischen
Staatseinkommensteuer von 1913. Eine kurze Betrachtung der Haupt-
ausgabenposten des Reichs ergibt folgendes Bild: Die Reichsfinanzver-
waltung kostet nach dem Voranschlag 1925 399 Millionen Mark, also
6 Millionen Mark mehr, als Preußen im Jahre 1913 aus seiner Ein-
kommensteuer bekam. Diese Verwaltung kostet achtmal soviel wie die
gesamte preußische innere Verwaltung, Die Kosten des Reichstags
sind von 2,2 Millionen im Jahre 1913 auf 5,6 Millionen im Jahre 1924
gestiegen. Die Gesamtausgaben des Auswärtigen Amtes sind mit
42 Millionen veranschlagt. Das bedeutet eine Verdoppelung gegenüber
1914, Der Reichsarbeitsminister verlangte an Zuschüssen für seine
Verwaltung ursprünglich rund 300 Millionen. Zu diesem ersten Ansatz
im Haushaltsentwurf für 1925 kommen dann noch die Mehrbewilli-
gungen des Reichstags in den letzten Monaten mit weiteren rund
200 Millionen. Heer und Marine kosten 435 Millionen gegenüber
1,7 Milliarden vor dem Kriege, Dafür sind aber die Pensionen in Höhe
von 1,4 Milliarden zu zahlen, also fast soviel, wie uns im Frieden