Full text: Die deutsche Wirtschaft

276 Dr. dogemeier: 
Über die Finanzgebarung der Gemeinden und Gemeindeverbände 
ist in letzter Zeit sehr viel Material veröffentlicht worden. Eine 
genaue Statistik fehlt. Ich kann daher nur einige Angaben anführen, 
die auf einer statistischen Erhebung von 67 Gemeinden im Ruhrgebiet 
beruhen. In diesen Gemeinden sind die Gesamtausgaben von 224 auf 
rund 400 Millionen gestiegen. Die Gewerbesteuern sollen im Jahre 
1925 mehr als das Dreifache der Vorkriegszeit einbringen. Die Ein- 
nahmen aus der Gemeindeeinkommensteuer betrugen im Jahre 1914 
53 Millionen Mark, während die Überweisung des Reichs aus der 
Reichseinkommen-, Körperschaftssteuer, Umsatzsteuer und die Erträge 
der Hauszinssteuer für 1925 mit rund 70 Milliarden eingesetzt sind, 
Über die kommunale Finanzgebarung sind derartig viele einzelne 
Mitteilungen veröffentlicht, daß, wie allgemein bekannt ist, gerade von 
diesen Stellen in persönlichen und sachlichen Ausgaben mit einer Groß- 
zügigkeit gewirtschaftet wird, die unmöglich länger fortgesetzt wer- 
den kann, 
Gewiß hat der Krieg mit seinen Folgen und außerdem die Gesetz- 
gebung in Reich und Staat den Gemeinden eine große Menge neuer 
Aufgaben auferlegt, ohne in vielen Fällen die entsprechenden Mittel 
hierfür zur Verfügung zu stellen. Es wird eingehend zu untersuchen 
sein, wieweit hier durch eine Minderung dieser Aufgaben oder durch 
eine anderweitige Verteilung der finanziellen Lasten die Höhe der 
Gemeindeausgaben herabgesetzt werden kann, Auf den anderen Ge- 
bieten der Gemeindeausgaben sind aber gleichfalls erhebliche Über- 
spannungen festzustellen, wobei zugegeben ist, daß eine ganze Reihe 
dieser Ausgaben zu an sich guten Zwecken verwandt werden, Der 
Fehler der Gemeindefinanzpolitik liegt aber meistens darin, daß der- 
artige Ausgaben heute eigentlich nur aus laufenden Einnahmen be- 
stritten werden. Man überlegt sich in den verantwortlichen 
Organen solche Ausgaben weniger gründlich, als man das vor dem 
Kriege tat, wo vorwiegend Anleihemittel und nicht laufende Steuer- 
einnahmen hierfür verwandt wurden. Das Tempo der kommunalen 
Entwicklung hat sich gegenüber der Friedenszeit ganz außerordentlich 
beschleunigt. Arbeiten, die früher auf Jahre verteilt wurden, werden 
heute in kurzer Frist zur Ausführung gebracht, und zwar auf Kosten der 
Steuerzahler, die in vielen Fällen die hierfür aufzubringenden Beträge 
durch Aufnahme von Schulden flüssig machen müssen. Gerade bei 
den Gemeinden muß der Grundsatz zur Durchführung kommen, daß in 
erster Linie die Ausgaben sich nach den Einnahmemöglichkeiten zu 
richten haben, daß kommunales Leben, kommunale Entwicklung auf 
das engste verbunden sind mit der wirtschaftlichen Entwicklung der 
in der Gemeindeverwaltung liegenden Unternehmungen, Die den
	        
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