Die Gesundung der Währung in Deutschland. _287
grundelegung gewisser Maßstäbe der Geldentwertung, Zu einem
automatischen System der Indexlöhne wie in Österreich ist man in
Deutschland indes im allgemeinen nicht übergegangen, vielmehr wurden
Gehälter und Löhne immer wieder neu geregelt,
Die Politik der Reichsbank wie auch der Reichsregierung
war darauf gerichtet, die Bewertung der Mark stabil zu machen,
aber alle Maßnahmen konnten unter dem Einfluß der geschilderten
übermächtigen Faktoren naturgemäß so lange nur einen vorübergehenden
oder beschränkten Erfolg haben, als es nicht gelang, der letzten
Ursachen — der Defizitwirtschaft des Reiches usw. und der ungünstigen
Gestaltung der Zahlungsbilanz — Herr zu werden. Man bemühte sich,
die Einfuhr nach Möglichkeit zurückzudämmen, die Ausfuhr zu
steigern, Den Exporteuren wurde eine Devisenablieferungspflicht auferlegt
und dem Devisenhamstern entgegenzuwirken versucht. Zur
Beschaffung weiterer Devisenbeträge wurden Reichsanleihen (die
erwähnten „Dollarschatzanweisungen“, später die „Goldanleihe‘) aufgelegt,
deren Zeichnungspreis in Devisen gefordert wurde, oder, soweit die
Zahlung auch in Mark zugelassen war, bei Zahlung in Devisen Ermäßigung
erfuhr, Schließlich schritt das Reich zu einer zwangsweisen
Erfassung der Devisen. Die so seitens des Reichs aufgebrachten
Devisenmengen dienten dazu, die von der Reichsbank für die Beeinflussung
der Wechselkurse eingesetzten Devisenvorräte zu ergänzen,
Angesichts der ungeheuren Notlage des Reichs glaubte die Reichsbankleitung
ferner, eine Hingabe von Gold aus ihren Beständen zum
Zwecke der Devisenbeschaffung nicht verweigern zu dürfen. Außerdem
war die Reichsbank bestrebt, neben der vom Reiche ausgehenden Inflation
nicht noch eine durch private Kreditinanspruchnahme entstehende
Inflation sich ausbreiten zu lassen. Das Hauptgewicht wurde
auf die einschränkende Auslese der gewährten Reichsbankkredite unter
dem Gesichtspunkte der volkswirtschaftlichen Notwendigkeit gelegt.
Hierbei sah sich die Reichsbank gezwungen, die Laufzeit der erteilten
Wechselkredite immer weiter herabzusetzen, zuletzt bis auf 10 Tage.
Der Diskontsatz wurde allmählich von 10 % bis auf 90 % erhöht; die
Sätze für tägliches Geld am offenen Markt stiegen während der gleichen
Zeit auf ein Vielfaches des Reichsbanksatzes. Unter dem Zwange der
Entwicklung wurde auch die Reichsbank gerade durch währungspolitische
Rücksichten dazu bestimmt, die bis dahin zähe festgehaltene
Währungsgrundlage der Mark in ihrem Geschäftsverkehr schließlich
aufzugeben, als die Schäden der rapide fortschreitenden Geldentwertung
so überhandnahmen, daß die Zustände am Geld- und Kapitalmarkt
völlig unhaltbar geworden waren. Unter schonender Berücksichtigung
der besonderen Schwierigkeiten des besetzten Gebietes, der Lebens-