Deutschlands Stellung in der Weltwirtschaft. 27
Auch der brasilianische Tabak ging großenteils nach Deutsch-
land. Nicht minder kauften wir dort erhebliche Mengen von Häuten,
ferner Manganerze und vieles andere.
Von den Vereinigten Staaten bezogen wir 1913 etwa 250 Millionen
Pfund Kupfer; acht Jahre später nur 64 Millionen. Auf den Bezug
vieler anderer Waren, die wir sonst den Vereinigten Staaten ab-
nahmen, mußten wir ganz verzichten.
Bis 1914 war Deutschland unter allen Ländern der Erde weitaus
der beste Kunde der Schweiz. Auch für die schweizerische Volkswirt-
schaft ist daher der Rückgang der deutschen Einkäufe (und des deut-
schen Fremdenverkehrs) ein Unglück, Peter Heinrich Schmidt, Pro-
fessor an der Handelshochschule in St. Gallen, hat in seinem kürzlich
in 2, Auflage erschienenen Werk „Die schweizerischen Industrien im
internationalen Konkurrenzkampf‘ (die 1. Auflage erschien 1912) den
innigen Zusammenhang der wirtschaftlichen Wohlfahrt Deutschlands
und der Schweiz klargelegt. Seit Jahrhunderten hat die Schweiz aus
Süddeutschland Korn eingeführt; nach dem Kriege mußte sie es von
anderer Seite kaufen, weil der Ertrag der deutschen Landwirtschaft
zurückgegangen ist, zudem infolge des Tiefstandes der deutschen
Valuta alles im eigenen Lande erzeugte Getreide auch hier verbraucht
werden mußte, um die Einkäufe aus dem Auslande möglichst niedrig
zu halten, Die Industriewaren, die die Schweiz vor dem Kriege mühe-
los in Deutschland absetzte, fanden hier jetzt nur noch in geringem
Maße Aufnahme.
Deutschland ist verarmt, so daß es nur einen Teil der Dinge
kaufen kann, die es erstehen möchte. Jede Betrachtung unserer Außen-
handelsziffern lehrt dies trotz der Passivität unserer Handelsbilanz.
Mengenmäßig ist die deutsche Einfuhr auf die Hälfte zurück-
gegangen, während der Rückgang der Einfuhrwerte infolge der
Inflation nicht deutlich in Erscheinung trat”).
Seitdem Deutschland vollends durch die Zerstückelung der ihm
verbliebenen Gebietsteile durch Zollschranken, die die Entente auf-
richtete, und zu allem Überfluß durch die Abreißung lebenswichtiger
Teile Oberschlesiens in seiner Wirtschaftskraft noch weiter geschwächt
wurde, als es durch den Krieg und den Versailler Vertrag schon ge-
schehen war, wirkte die Schmälerung seiner Kaufkraft lähmend auf
alle Märkte der Welt,
Nicht nur als Käufer ist Deutschland, wie sich immer mehr her-
ausstellt, unentbehrlich, sondern auch als Verwalter und
") Nach der Stabilisierung haben wir ein klareres Bild gewonnen:
1913 = 72,83 Mill, t 11,206 Mill. Mk.
1924 = 3881 „ tt "9317 4 ”No full text available for this image
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