Full text: Die deutsche Wirtschaft

310 Dr.-Ing, Bredow: 
durch Deutschland angewiesen sind, Ein leistungsfähiges deutsches 
Netz wird anderseits für den europäischen Verkehr von größtem Nutzen 
sein und allen Völkern zugute kommen. Ebenso muß Deutschland 
seinerseits den größten Wert darauf legen, daß die Nachrichtennetze 
der ihm benachbarten oder sonst mit ihm in Beziehung stehenden 
Länder in der technischen Ausgestaltung und im Betrieb so vollkommen 
wie möglich sind. 
Als die Deutsche Reichspost nach dem Kriege vor der Aufgabe 
stand, ihr in der Entwicklung gehemmtes und teilweise abgewirt- 
schaftetes Telegraphen- und Fernsprechnetz wieder aufzubauen, konnte 
es daher nicht genügen, das vorher Gewesene instand zu setzen und 
wieder in Gang zu bringen, sondern es mußten alle Mittel der neuzeit- 
lichen Technik angewandt werden, um ein Netz zu schaffen, das den 
gesteigerten Bedürfnissen des Verkehrs in jeder Hinsicht entsprechen 
konnte. 
Besonders notleidend war der Überland-Fernsprechverkehr. Zu 
seiner Vervollkommnung boten sich zwei technische Errungenschaften. 
Die eine, ältere, aus der Zeit vor dem Kriege, war die Anwendung des 
Pupinsystems für die Leitungsanlagen des Fernsprechweitverkehrs, die 
andere, jüngere, während des Krieges erprobte, die Einführung der Ver- 
stärkerröhre in die Fernsprechtechnik. Mit dem Pupinsystem war es 
möglich, den bis dahin an ziemlich enge Grenzen gebundenen Fern- 
sprechverkehr auf größere Weiten auszudehnen, Es gelang mit seiner 
Hilfe, auf Freileitungen bis zu 2000 km Länge (Berlin—Rom) eine aus- 
reichende Verständigung zu erzielen. Auch war man kurz vor dem 
Kriege so weit, Pupinkabel bis zu 800 km Sprechweite herzustellen, 
Das noch vor dem Kriege begonnene und bald nach Friedensschluß 
vollendete Rheinlandkabel ist das bekannteste Beispiel eines solchen 
Kabels, Mit den langen Freileitungen war aber dem Verkehr nur 
mangelhaft gedient, weil sie zu unzuverlässig waren. Die Pupinkabel 
waren wegen des großen Kupferbedarfs viel zu kostspielig, als daß sie 
allgemein hätten eingeführt werden können. Ihre Sprechweite reichte 
zudem nicht einmal für den innerdeutschen Verkehr aus, bei dem Ent- 
fernungen bis zu 1600 km (Baden—Ostpreußen) zu überbrücken waren, 
geschweige denn für den zwischenstaatlichen Verkehr mit Ent- 
fernungen von mehreren tausend Kilometern (z. B. London—Konstanti- 
nopel = 3200 km). 
Die Lösung brachte die zweite der erwähnten technischen 
Errungenschaften, der Fernsprechverstärker, der im Sprechbetrieb die- 
selbe Rolle spielt wie das bekannte Relais in der Telegraphie. Jetzt 
war es möglich, jede noch so lange Leitung in beliebig viele Abschnitte 
einzuteilen, an den Abschnittpunkten Verstärker einzuschalten und auf
	        
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