Full text: Die deutsche Wirtschaft

Deutsche Wasserstraßenpolitik. 337 
des Dampfschiffs schufen die Grundlage für den neuzeitlichen Betrieb 
der Binnenschiffahrt. Mit Einführung der Dampfschiffahrt, die sich 
zuerst in Deutschland auf dem Rhein entwickelte und die nunmehr die 
Güterbeförderung durch frei fahrende Frachtschiffe und durch Schlepper 
ermöglichte, konnte der Verkehr, da nicht nur eine Beschleunigung der 
Reisen, sondern auch der Bau größerer Fahrzeuge ermöglicht wurde, 
einen bedeutenden Aufschwung nehmen. Der neue Schiffahrtbetrieb 
stellte aber auch erhöhte Anforderungen an die Wasserstraßen, und es 
begann daher der planmäßige Ausbau der Ströme, der neben der Be- 
seitigung der Hochwassergefahr und der Förderung der Landwirtschaft 
durch zweckmäßige Be- und Entwässerung in den angrenzenden Tälern 
namentlich der Verbesserung der Schiffbarkeit diente. Wurden so 
durch die technischen Fortschritte der Entwicklung der Binnenschiff- 
fahrt neue Aussichten eröffnet, so erwuchs ihr andererseits durch die 
Erfindung der Eisenbahn ein einschneidender Wettbewerb. Glaubte 
man auch zunächst vielfach nur, durch die Eisenbahn Zufuhrstraßen 
zu den Wasserwegen schaffen, nicht aber durch Bau von Eisenbahnen 
in den Flußtälern mit ihnen in Wettbewerb treten zu sollen, so führte 
doch die schnelle Entwicklung des Eisenbahnwesens, die gegenüber der 
Schiffahrt meist eine Überlegenheit an Schnelligkeit, Regelmäßigkeit 
und Sicherheit brachte, zu einem scharfen Wettbewerb dieser beiden 
Beförderungsmittel, der z, B. in England so weit führte, daß die Eisen- 
bahngesellschaften die Kanäle aufkauften und stillegten, um ihren Wett- 
bewerb zu beseitigen. 
Auch in Deutschland sollten die Eisenbahnen, die neben ihren 
sonstigen Vorzügen als Verkehrsmittel vielfach auch billiger beförder- 
ten, den Wasserstraßen zum Teil verhängnisvoll werden. So hatte die 
Binnenschiffahrt besonders auf den kleinen Strömen mit geringer Schiff- 
barkeit einen schweren Stand und mußte im Verlauf des 19. Jahr- 
hunderts z, B, auf der Lippe, Ruhr, Lahn, Mosel, Leine und auf dem 
Ludwigskanal bis zu einem bedeutungslosen Verkehr zurückgehen. 
Dagegen führte jedoch die Erkenntnis, daß die Wasserstraßen bei 
großen Entfernungen und bei Beförderungen in großen Schiffsgefäßen 
dem Wettbewerb der Eisenbahn nicht nur gewachsen, sondern, ins- 
besondere im Massengutverkehr sogar überlegen sein würden, dazu, 
die durchgehenden Wasserstraßen weiter zu verbessern und insbeson- 
dere für größere Fahrzeuge und den Schleppdampferbetrieb befahrbar 
zu machen, So wurde namentlich nach der neuen Gründung des Reiches 
der auch für das Ausland vorbildliche planmäßige Ausbau der deutschen 
Ströme fortgesetzt, der, soweit wegen großen Gefälles oder geringer 
Wasserführung die angestrebte Fahrwassertiefe nicht, wie bei den 
großen Strömen, durch Regelung des Flußbettes erreicht werden konnte, 
Die deutsche Wirtschaft. 
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