Full text: Die deutsche Wirtschaft

Deutsche Wasserstraßenpolitik, 357 
dann den außerordentlichen Verkehrsrückgang für die Binnenschiffahrt, 
der im Jahre 1922 dann wenigstens in gewissem Umfange wieder aus- 
geglichen werden konnte, bis das Jahr 1923 mit dem Ruhreinbruch und 
dem Zusammenbruch der deutschen Währung den Verkehr fast allge- 
mein wieder lähmte. Eine Ausnahme bildete fast nur Köln, während 
andererseits z. B. der Königsberger Verkehr, auch durch die Gebiets- 
abtretungen, sehr hart betroffen wurde und den größten Teil seiner 
Holzzufuhr zu Schiff und in Flößen von der Memel her verlor. Die 
Gebietsverluste im Osten des Reichs zeigen sich auch in den Zahlen 
über den Anteil der deutschen Stromgebiete an den gesamten Ein- und 
Ausladungen an deutschen Wasserstraßen: 
Gesamtverkehr der deutschen Stromgebiete 
1913”) | 1922 | 1923 
in Mill. t| v.H. [io Mill. t| v.H. [inMil t| v.H. 
Östliche Wasserstraßen 5,0 3:2 1,1 1,2 ä 1,9 
Odergebiet A, 14,9 9,5 | 5,6 5,9 | no 10,3 
Märkische Wasserstraßen 15,7 10,1 8,2 8,7 U | 11,3 
Elbegebiet; .. 1. 25,5 16,3 0 210,3 10,9 | 10,2 19,4 
Ems-Weser-Gebiet. , | 10,7 6.3 15,1 16,0 11,3 
Rheingebiet.. 2...“ HS 53,2 | 56,6 | 
Donaugebiet. . 2.) > a > on.  Urz | 
Insgesamt; .... 156,4 | 100,0 | 94,1 | 100,0 | 52,7 | 100,0 
Hiernach entfiel über die Hälfte des deutschen Binnenschiffahrt- 
verkehrs auf das Rheingebiet, das seinen Anteil nach dem Kriege noch 
erhöhen konnte, während in dem östlichen Wasserstraßennetz ein- 
schließlich der Elbe die Binnenschiffahrt weit stärker zurückging. Hier 
spielte jedoch auch in den letzten Jahren die fremde Flagge nur eine 
geringe Rolle auf den deutschen Gewässern, während auf sie von dem 
deutschen Rheinverkehr vor dem Kriege etwa ein Viertel, im Jahre 
1922 aber schon über ein Drittel entfiel. Das Jahr 1923 brachte für die 
besetzten Gebiete und damit für die Rheinschiffahrt naturgemäß die 
schwerste Schädigung; erst Ende des Jahres trat mit der Besserung der 
politischen Lage ein gewisser Umschwung ein, der sich im Jahre 1924 
fortsetzte und auch auf die Schiffahrt der übrigen Wasserstraßen über- 
griff. Die Festigung der deutschen Währung, die Senkung der Wasser- 
frachten gegenüber den Eisenbahnfrachten, das weniger feindliche 
Verhalten der Besatzungsbehörden und die Einführung des früher 
erwähnten Umschlagtarifs führten dazu, daß sich die deutsche 
*) Ehemaliges Gebiet,
	        
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