404 Direktor Paul Voß:
zweckmäßig hingestellt. Da waren es die Messen, die den Ausländer
nach Deutschland führten und ihn persönlich von der Haltlosigkeit der
Anschuldigungen und von dem Ernst überzeugten, mit dem die besten
Deutschen, Arbeitgeber und Arbeitnehmer, selbst in fast hoffnungsloser
politischer Situation an ihren wirtschaftlichen Aufgaben arbeiteten.
Das Messewesen war also damals an der Stärkung unseres Selbstvertrauens,
an der Sicherung des guten Rufs der deutschen Arbeit, an der
Durchführung eines leidlich geordneten In- und Auslandsgeschäfts
selbst im Augenblick der schärfsten Valutakrise, in hohem und unentbehrlichem
Maße beteiligt,
Welche Aufgaben hat nun das Messewesen in der neuen Periode
normaler Wirtschaft, die mit dem Londoner Abkommen vom 29, August
1924 begonnen hat und durch die am 10, Januar 1925 beginnende Neuorientierung
der Außenhandelspolitik fortgesetzt werden soll?
Für den inneren Markt hat der Meßgedanke, wie schon einst in
der Vorkriegszeit so auch jetzt vor allem wieder die Bedeutung, daß
er dem Produzenten Kenntnis von allen Wünschen der Kundschaft,
dem Händler Kenntnis von allen neuen Erzeugnissen, Geschmacksrichtungen
und Erfindungen gibt, daß er andererseits den Weg aus der
Fabrik zum Verkaufsladen unendlich abkürzt, verbilligt und vereinfacht,
Beide Zwecke werden um so vollkommener erreicht, je mehr eine
Messe möglichst alle Fabrikanten und alle Händler vereinigt und die
verschiedensten Branchen universal zusammenfaßt. Die Vorteile vervielfachen
sich in dem Moment, wo ein und derselbe Meßteilnehmer
gleichzeitig als Aussteller und Einkäufer auftreten kann, wo etwa beispielsweise
ein Textilwarenfabrikant, der Textilwaren ausstellt und
verkauft, zu gleicher Zeit als Einkäufer die Ausstellungsstände der
Textilmaschinen-Fabrikanten aufsuchen kann, Es kann daraus die
Regel abgeleitet werden, daß die Messe am vorteilhaftesten wirkt, die
den Verkäufer von Fertigfabrikaten gleichzeitig als Einkäufer von
Maschinen und technischem Bedarf, von Rohstoffen, Hilfsstoffen und
Halbfabrikaten fungieren läßt.
Der privatwirtschaftliche Wert der Teilnahme an Messen läßt sich
aus dem soeben Ausgeführten bereits deutlich ableiten, Das Messewesen
bringt eine Ersparnis an Zeit und Spesen, vergrößert den Einkaufsmarkt
und den Absatzmarkt, schafft zahlreiche Anregungen,
fördert den Fortschritt und setzt den Fabrikanten oder den Händler
auch aus den abgelegensten Landesteilen immer wieder in lebendige
Beziehung zu den Ideen, den Wünschen und Forderungen der großen
Welt, Wer regelmäßig an einer Messe teilnimmt, wird also niemals
„einschlafen‘, Ein ganz besonderer Vorteil besteht darin, daß auf der
Messe ausschlaggebend nicht die Reklamen und die kostspieligen Pro-