Full text: Die deutsche Wirtschaft

Deutschlands Stellung in der Weltwirtschaft. 39 
Niedergang, an dieser Verdrängung der Gediegenheitsware, auf die 
Deutschland früher so stolz sein konnte, durch oberflächliche, verant- 
wortungslose, schlechte Produktion waren hauptsächlich zwei Ur- 
sachen: die Gleichgültigkeit, die sich seit der Revolution eines Teiles 
der deutschen Arbeiterschaft bemächtigt hatte, und die monopolartige 
Stellung, die unserer Industrie während der Kriegsjahre beschert wurde. 
Nicht nur der ausländische Wettbewerb blieb ihr damals fern, sie war 
auch so überreich mit innerstaatlichen Aufträgen versehen, daß ihr 
wenig Zeit blieb, den übrigen Binnenabsatz zu beliefern. Infolgedessen 
sah sich der Privatverbraucher, der früher die Auswahl zwischen einer 
größeren Zahl von Angeboten hatte, gezwungen, wollte er überhaupt 
etwas erlangen, zu nehmen, was man ihm bot, und zwar in einer 
Qualität und zu Preisen, die vom Produzenten oder Händler willkürlich 
bestimmt wurden. Das Verhältnis zwischen Käufer und Verkäufer 
hatte sich gänzlich umgedreht: während vor dem Kriege der letzte dem 
ersten nachgerannt war, saß er jetzt auf einem Thron, dessen Stufen 
sich der Käufer nur voller Demut nähern durfte. 
Schuld an der Lieferung der Pfuscharbeit ins Ausland trugen 
mithin sowohl die Exporteure wie die Betriebsleitungen und die 
Arbeiter, Keine dieser drei Instanzen darf in der Gewissenhaftigkeit 
nachlassen, Versagen sie alle zusammen, so geht schlechte Ware ins 
Ausland, und wir verlieren den dortigen Absatzmarkt. 
Zum Glück ist mittlerweile in die deutsche Arbeit die alte Ge- 
diegenheit wieder zurückgekehrt. Wenn die Folgen der schlechten 
Lieferungen nicht noch verderblicher waren, so wird dazu etwas der 
Umstand beigetragen haben, daß auch von anderen Ländern nach dem 
Kriege (und während der Kriegsjahre) nicht gerade mit hervorragender 
Gediegenheit gearbeitet wurde. 
Allein nicht nur die kaufmännische Zuverlässigkeit und die tech- 
nische Güte der deutschen Ausfuhr haben 1919 und in den folgenden 
Jahren Einbußen erlitten, die im Ausland manche Abkehr von deut- 
schen Lieferanten verursachten. Vielmehr ist die deutsche Ausfuhr 
auch dadurch geschädigt worden, daß die Kenntnis von Land 
und Leuten infolge der langen Abschließung durch den Krieg bei 
unseren Exporteuren gesunken war. Gewiß, sie ist nicht ganz ver- 
lorengegangen. Aber daß sie nicht dieselbe Sicherheit besaß wie vor 
dem Kriege, da sie sich auf den jahrzehntelangen Erfahrungen einer 
Handelsorganisation aufbaute, die mit nie ermüdendem Eifer ihren Auf- 
gaben obgelegen und nach immer neuen Vervollkommnungen gestrebt 
hatte, ist selbstverständlich. 
Schädlich war ferner die Neigung manches großen 
Unternehmens, sich eigene Auslands-Vertre-
	        
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