Deutschlands Stellung in der Weltwirtschaft, 4
lands auf dem Gebiete der technischen Chemie
seit dem Kriegsende dahin. Während des Krieges schon
haben neben den feindlichen auch neutrale Länder sich tatkräftig be-
müht, eine eigene chemische Industrie zu entwickeln, Nach Friedens-
schluß hat man sie weiter ausgebaut, Auch wurden die ungeheuren
Anlagen, die im Kriege zur Erzeugung von Sprengstoffen ins Leben
gerufen waren, auf die Produktion von Chemikalien umgestellt, da
nur wenige andere Verwendungen möglich waren,
Infolgedessen ist unsere Ausfuhr von Chemikalien in absoluten
Ziffern stärker gesunken als unsere Einfuhr, Sehen wir, um nur wenige
Zahlen zu nennen, von den chemischen Rohstoffen und Halbzeugen ab,
und ziehen aus der Statistik des deutschen Spezialhandels nur die
Ziffern für Farben, Firnisse und Lacke und für „sonstige chemische und
pharmazeutische Erzeugnisse‘ heran, so sank zwischen 1913 bis 1924
die Einfuhr für die erstere Gruppe von 78 374 auf 12 746 t (der Einfuhr-
wert von 24,84 auf 9,60 Mill, M.), die Ausfuhr dagegen von 268 617 auf
108 268 t (der Ausfuhrwert von 305 auf 196 Mill, M.). Für die „sonstigen
chemischen und pharmazeutischen Erzeugnisse‘ betrugen die Ziffern:
Einfuhrrückgang von 342 445 auf 103 502 t (Rückgang des Einfuhrwertes
von 151 auf 67 Mill, M.); die Ausfuhr sank von 717 022 auf 431 379 t (der
Ausfuhrwert von 384 auf 243 Mill, M.).
Wollen wir die Bedeutung der einzelnen deutschen Wirt-
schaftszweige für die Ausfuhr an den Ziffern des Jahres 1924
ablesen nach der Größe des effektiven Devisenüber-
schusses, so dürfte die Land- und Forstwirtschaft an die letzte,
die chemische Industrie an die erste Stelle rücken. Ist doch die Ein-
fuhr chemischer Erzeugnisse auf weniger als die Hälfte zurückgegangen,
sie beträgt nur mehr 1,5% der Gesamtausfuhr gegen damals 3,9 %.
1913 bezogen wir noch große Mengen Chilesalpeter, heute verwenden
wir vorwiegend eigene künstliche Düngemittel,
V. Ausblick,
Beruhte der Wohlstand Deutschlands vor dem Kriege auf seiner
Industriewaren-Ausfuhr, die ihm die Mittel bot, 20 Millionen Menschen
mehr zu ernähren, als es durch die Erzeugnisse des eigenen Bodens
hätte erhalten können, so gesellt sich zu diesem alten Zwange, ent-
weder Waren auszuführen oder Menschen, der neue, für unsere ver-
armte, blutleer gewordene Volkswirtschaft frische Mittel zu beschaffen.
Zugleich legt uns das Dawes-Abkommen die Pflicht auf, unsere Indu-
striewaren-Ausfuhr mächtig zu steigern,
Wir bedürfen zu diesem Zwecke einer Neugestaltung der
handelspolitischen Verhältnisse, für die uns erst durch