Full text : Die deutsche Wirtschaft

450 Walther Basson:
grossisten, den Engros-Sortimenter, den Kreditgrossisten
 und den Einrichtungsgrossisten,
Bereits von alters her sah man in der Lagerhaltung und Verteilung
der aufgestapelten Güter die besondere Aufgabe des Großhandels; insbesondere
 gewährleistete die Aufstapelung der Warenmengen in den
Lagerhäusern des Handels erst eine stetige Versorgung der Produktion
und des Konsums, besonders in den Zeiten, wo die Verkehrsmittel noch
nicht so ausgebildet waren, daß ein sich geltend machender Bedarf
nicht, wie heute, auf telegraphischem Wege bestellt und mittels Flugzeug-
 (z. B. Blumen, Seidenwaren, Edelsteine), Eisenbahneilgut- oder
Kraftwagenversendung an den Ort des Bedarfes herbeigebracht werden
konnte. Gewiß haben wir feststellen müssen, daß der Großhandel aus
der Warenbewegung vom Produzenten zum Detailhandel oder gar zum
letzten Konsumenten (man denke an Tuchfabriken, Zigarrenfabriken
usw., die ihre Ware direkt an den einzelnen Bürger versenden) häufig
ausgeschaltet wurde, daß jedoch auf der anderen Seite oftmals die
dringende Notwendigkeit einer besonderen Handels-Verteilungsorganisation
 besteht, und daß sich für den modernen Großhandel
immer neue Verteilungs- und Absatzmöglichkeiten
 erschließen, und zwar dann, wenn der Kreis der zu
beliefernden Detailgeschäfte und anderer Großhandelsabnehmer so
groß wird, daß das einzelne Fabrikationsunternehmen aus finanziellen
Gründen weder die ungeheure differenzierte und dadurch teure Verteilungsorganisation
 übernehmen kann bzw. auf den direkten Vertrieb
verzichten muß, weil sich die Kreditwürdigkeit von Tausenden von
Abnehmern von einem Ort aus kaum übersehen läßt, Das Auffinden
 der kleinsten Kanäle des Detailabsatzes, in welche die
Ware fließen soll, ist eine Aufgabe, für welche gerade der Großhandel
 prädestiniert erscheint. Wir sahen bereits an anderen Stellen,
daß die Großhandels-Absatzorganisation geradezu unentbehrlich ist auf
dem Gebiete der Kolonialwaren, Genuß- und Nahrungsmittel, vollzieht
sich doch beispielsweise der Kaffeehandel in Mindestmengen von
100 bis 500 Sack, d. h. in Mengen, die dem Werte nach von keinem
einzigen Detailhändler in kurzer Frist umgesetzt werden können. Der
Detailhandel ist in der Regel darauf angewiesen, vom Großhandel, der
auch noch in diesem Falle die Funktion der Sortierung und Mischung
zu den gängigsten Kaffeesorten übernimmt, in wesentlich kleineren
Posten zu beziehen, Besonders dann, wenn der Detailhandel keine
eigene Rösterei betreibt, ist es notwendig, um stets frisch gerösteten
Kaffee zu erhalten, daß er sich an den Kaffeegroßhandel mit Röstereibetrieb
 wendet, um von ihm kleinere Mengen gerösteten Kaffees zu
beziehen. Wenn man die zur Zeit überall herrschende Geldknappheit
            
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