Full text: Die deutsche Wirtschaft

454 Der Binnengroßhandel, 
Konsum (etwa 70—80 % der Vorkriegsumsätze) ausreichend, d. h, 
durch eine größere Anzahl von Händlern, mit Waren versorgt werden 
konnte, Es ist selbstverständlich — und die zunehmende Anzahl von 
Geschäftsaufsichten und Konkursen beweisen dies —, daß die Stabili- 
sierungskrise sowie der gegenüber der Vorkriegszeit erheblich ver- 
minderte Konsum einerseits und die allmählich in Gang kommende 
Kapitalbildung andererseits — nach alten wirtschaftlichen Gesetzen — 
dazu führen werden, daß die Übersetzung des Handels mit volkswirt- 
schaftlich überflüssigen Handelsgliedern allmählich ein Ende finden wird. 
Die Jetztzeit, d. h. die Wiedereinholung der Verluste des verlorenen 
Krieges, die Aufbringung der uns auferlegten Lasten aus dem Versailler 
Friedensvertrage, sowie die unendlich verschärfte Konkurrenz auf allen 
Gebieten der Weltwirtschaft, zwingt uns in Deutschland überdies zu 
einer Auslese der besten und fähigsten Einzelindividuen sowie der 
leistungsfähigsten und rentabelstenHandels- und Fabrikunternehmungen, 
Wirtschaftlich überflüssige oder notorisch unrentable, schlecht geleitete 
oder veraltete Unternehmungen müssen verschwinden, da Deutschland 
sich den Luxus des Durchhaltens solcher Unternehmungen nicht mehr 
leisten kann. 
Immer wieder muß man sich dagegen wenden, daß, genährt von oft 
mißverstandenen Äußerungen aus führenden Kreisen der deutschen 
Wirtschaft, der Eindruck aufkommt, als ob der Großhandel ein voll- 
kommen überflüssiges und daher zu beseitigendes Glied der deutschen 
Wirtschaft sei. Nichts ist törichter als eine solche Vermutung, die 
übrigens bemerkenswerterweise im Auslande zu keiner Zeit an Boden 
gewonnen hat. Mit diesen Ausführungen ist an Hand einer Anzahl prak- 
tischer Beispiele, soweit dies im Rahmen eines Aufsatzes möglich ist, 
der Versuch unternommen, darzulegen, welche bedeutsamen 
wirtschaftlichen Aufgaben gerade der Handel zu 
erfüllen hat, 
Hoffentlich ist in Deutschland nun die Zeit nicht mehr fern, wo 
alle Erwerbsstände sich dessen bewußt werden, daß nicht das Gegen- 
einander-, sondern das Miteinanderarbeiten der deut- 
schen aufeinander angewiesenen Wirtschaftskreise den er- 
sprießlichsten Erfolg verbürgt, den wir alle in gemeinsamer Arbeit er- 
hoffen nämlich den Wiederaufstieg unseres deutschen Vaterlandes zu 
der alten wirtschaftlichen Macht und Größe von einst.
	        
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