Full text: Die deutsche Wirtschaft

458 Graf Eberhard von Kalckreuth: 
Nach der im Jahre 1913 veröffentlichten amtlichen 
Statistiküberdas Mühlengewerbe, die sicherste vorhan- 
dene Grundlage über den Brotkornverbrauch, wurden jährlich pro Kopf 
verbraucht: 
Roggent 2 0 916 kg 
Weizen. 2 W755 kg 
insgesamt 167,1 kg. 
Legt man einen Verbrauch von 170 kg zugrunde, so wurden in den 
in Rede stehenden fünf Jahren jährlich im Durchschnitt verbraucht 
11,18 Millionen Tonnen, Es blieben somit aus der heimischen Erzeu- 
gung für tierische Ernährung und für gewerbliche Betriebe durch- 
schnittlich 3,19 Millionen Tonnen übrig, also mehr als die Gersten- 
einfuhr betrug. 
Daß wir unseren Bedarf an Kartoffeln mit Ausnahme von Früh- 
kartoffeln, die aus klimatisch mehr begünstigten Ländern bezogen wur- 
den, reichlich aus eigener Scholle deckten, ist bekannt, Dem Bedarf 
an Kartoffeln zur menschlichen Ernährung, der für die Zeit vor dem 
Kriege bei einem Verbrauch von 244 bis 2% dz jährlich je Kopf der 
Bevölkerung mit 15—17 Millionen Tonnen geschätzt werden kann, 
standen Erntemengen von 45,75 Millionen Tonnen im Durchschnitt des 
letzten Vorkriegsjahrzehnts gegenüber, Nach Abzug der Saatmengen, der 
Verluste durch Krankheiten, Schwund usw. blieb der Bedarf zur mensch- 
lichen Ernährung immer noch mehr als doppelt gedeckt, d. h. es stand 
für gewerbliche Zwecke und als Viehfutter mindestens die gleiche 
Menge wie die zur menschlichen Ernährung nötige zur Verfügung. 
Lediglich die Produktion von Fett und die Produktion von Futter- 
mitteln hatte nicht den den Eigenverbrauch deckenden Umfang er- 
reicht. In den kommenden Jahren wird die Frage, ob die Ernährung 
aus eigener Kraft sichergestellt werden kann, eine noch wesentlich 
größere Bedeutung haben als in der Vorkriegszeit, Denn nach dem 
Verluste unserer Handelsflotte, nach dem Verluste unserer wertvollen 
Kolonien und nach dem Verluste großer Absatzgebiete unserer Industrie 
wird es nicht möglich sein, die schweren Kriegsreparationen und den 
Einfuhrbedarf an Kohle, Eisen, Baumwolle usw. aus dem Ausfuhrüber- 
schuß der Industrie zu bezahlen. Eine Balancierung des Wirtschafts- 
haushaltes für unser Volk wird in Zukunft nur dann möglich erscheinen, 
wenn die heimische Landwirtschaft nicht nur den wesentlichsten Bedarf 
der eigenen Volksernährung deckt. Darüber hinaus muß Deutschland 
zu einem Ausfuhrüberschuß an landwirtschaftlichen Produkten, z. B. 
Zucker, Zuchtvieh, Saatgut und anderen hochwertigen landwirtschaft- 
lichen Produkten, gelangen. Die Frage, ob eine solche Steigerung der
	        
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