Object: Probleme der Wirtschaftsgeschichte

mit bes. Rücksicht auf die Stadtwirtschaft des deutschen Mittelalters. 209 
Büchers Kennzeichnung des mittelalterlichen Handwerks 
als reiner Kundenproduktion ist also eine unzulässige Verengung 
des wahren Tatbestandes. Wenn seine Auffassung in der heu- 
tigen nationalökonomischen Literatur weite Verbreitung findet, 
wenn das Handwerk als die Produktion auf Bestellung entgegen- 
gestellt wird der Unternehmung als der Produktion auf Vorrat, 
für den Markt!), sso geht diese Auffassung eben auf Büchers Sätze 
und namentlich auch auf seine Lohnwerkstheorie zurück. Wir 
stellen seinen Anschauungen. ein ganz anderes Bild gegenüber. 
Erstens trifft ja seine Ansicht, daß der Handwerker bis zum 
14. Jahrhundert nur Lohnwerker gewesen sei, ganz und gar 
nicht zu. Abgesehen von den verhältnismäßig wenigen Gewerben, 
die ausschließlich oder überwiegend das Lohnwerk dauernd be- 
trieben haben, ist der städtische Handwerker von Anfang an 
wesentlich oder überwiegend eigentlicher Handwerker; er liefert 
Preiswerk. Zweitens nimmt die Kuntdenproduktion bei diesem 
eigentlichen Handwerk zwar (wie beim Lohnwerk) einen großen 
Raum ein: auf direkte Bestellung liefert der Handwerker das 
mit von ihm selbst beschafften Stoff hergestellte Erzeugnis. Und 
zu der Kategorie der Kundenproduktion wollen wir auch noch 
ein weiteres Verhältnis rechnen: auch die Produktion auf Vor- 
rat, für den Markt kann unter Umständen noch als Kunden- 
produktion gelten, dann nämlich, wenn die Beziehungen zwischen 
Produzenten und Konsumenten so eng sind, der Marktverkehr 
so begrenzt ist, daß der Produzent mit einiger Sicherheit auf 
bestimmte, ihm leidlich bekannte Abnehmer seiner immerhin 
auf Vorrat hergestellten Waren rechnen darf. Aber dies Ver- 
hältnis zeigt uns doch schon den Übergang zur eigentlichen Pro- 
duktion für den Markt. Und diese hat zweifellos vom 12. Jahr- 
hundert an schon beträchtlich Platz gegriffen, wovon wir uns 
leicht überzeugen, wenn wir auf die Nachrichten über Gegen- 
stände des täglichen Gebrauchs (z. B. Schuhe), die an den Zoll- 
stätten vorbeigeführt werden, achten?). Das ist im vollen Sinn 
!) Vgl. z. B. R. Liefmann, Die Unternehmungsformen S. 2. 
2) Vgl. auch Sombart, Kapitalismus, 2. Aufl., 1,'S. 241. 
v. Below, Wirtschastsgeschichte 2. Ausl. ! 
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