Object : Volkswirtschaftliches Quellenbuch

2.  Der  deutsche  Buchhandel  in  seinen  verschiedenen  Zweigen  rc.  321
leger  kommissionsweise  das  ganze  Jahr  hindurch  besorgten.  Auch  heute  noch  macht
diese  Auslieferungstätigkeit,  wie  wir  später  sehen  werden,  einen  nicht  unbeträchtlichen
Teil  der  Tätigkeit  der  Kommissionäre  aus.
Die  Haupttätigkeit  des  Kommissionsbuchhandels  liegt  aber  heute  in  der  Verkehrsvermittlung. ­
  Als  mit  der  Einführung  des  Konditionsgeschäfts  und  dem  Sinken
der  Bedeutung  der  Messen  für  den  Bücherverkehr  ein  regelmäßiger  Verkehr  über  den
Meßplatz  zwischen  Verlag  und  Sortiment  das  ganze  Jahr  hindurch  an  Stelle  des
alten  Meßverkehrs  trat,  da  ließen  sich  auch  die  jetzt  wieder  aufkommenden  reinen
Sortimentsbuchhandlungen  am  Meßplatz  durch  Kommissionäre  vertreten,  welche  die
für  die  Sortimenter  bestimmten  Sendungen  sammelten  und  zusammen  in  größeren
Ballen  an  sie  abgehen  ließen,  wodurch  sehr  viel  an  Fracht,  welche  die  einzelnen
Sendungen  gekostet  hätten,  erspart  wurde.  Auch  die  Verleger,  welche  keine  Auslieferungslager ­
  in  Leipzig  hatten,  betrauten  Kommissionäre  mit  ihrer  Vertretung  am
Meßplatz  und  sandten  an  sie  die  für  die  verschiedenen  Sortimentsbuchhandlungen
bestimmten  Sendungen  in  gemeinsamen  Ballen,  deren  einzelne  Teile  vom  Kommissionär ­
  am  Kommissionsplatz  an  die  Kommissionäre  der  verschiedenen  Adressaten
besorgt  wurden.  Es  entstand  so  besonders  aus  Frachtersparnisrücksichten  für  die  vielen
einzelnen  Sendungen,  deren  Zahl  durch  das  Konditionsgeschäft  sehr  vermehrt  wurde,
der  regelmäßige  Verkehr  über  den  Kommissionsplatz,  besonders  über  Leipzig.  Nicht
nur  die  Bücherpakete  gingen  diesen  Weg,  sondern  auch  das  Gros  der  buchhändlerischen
Geschäftspapiere,  wie  Verlangzettel  rc.  Es  wurden  also  auch  bei  diesem  veränderten
Verkehr  noch  alle  Geschäfte  am  Meßplatz  abgeschlossen,  wenn  auch  meist  durch  die
Kommissionäre.
Aus  dem  alten  Meßverkehr  erhielt  sich  aber  auch  der  Brauch,  daß  der  Verkäufer ­
  Kosten  und  Gefahr  für  die  Sendung  nach  dem  Meßplatz  trug,  während  der
Käufer  den  Transport  vom  Meßplatz  nach  seinem  Wohnort  zu  tragen  hatte.  Diese
Regel  wurde  nun  auch  auf  die  neu  entstehenden  Konditionssendungen  ausgedehnt.
Mit  dem  Aufkommen  dieses  regelmäßigen  Verkehrs  war  es  nun  für  jeden  größeren
Sortimenter  und  Verleger  nötig,  daß  er  sich  am  Meßplatz,  der  jetzt  zum  Kommissions-Platz
  geworden  war,  einen  Vertreter  (Kommissionär)  hielt.
Die  Besorgung  des  Kommissionsgeschäfts  lag  zunächst  fast  ausschließlich  in  der
Hand  von  Sortimentsbuchhandlungen.  Mit  der  Zunahme  des  Verkehrs  und  den
gesteigerten  Anforderungen  an  die  Kommissionstätigkeit  gaben  aber  die  meisten  der
größeren  Kommissionäre  das  Sortimentsgeschäft  auf  und  widmeten  sich  ganz  ihrer
Kommissionstätigkeit.
Der  Hauptkommissionsplatz  war  und  blieb  für  den  deutschen  Buchhandel  naturgemäß ­
  der  alte  Meßplatz  Leipzig,  über  den  stets  der  Hauptverkehr  ging.  Auch  die
alte  Meßstadt  Frankfurt  a.  M.  diente  zunächst  noch  bei  den  veränderten  Verhältnissen
bis  1868  als  Kommissionsplatz,  hörte  aber  dann  als  solcher  zu  bestehen  auf,  da  sich
inzwischen  der  buchhändlerische  Verkehr  in  anderer  Weise  zu  zentralisieren  begonnen
hatte.  Für  den  Verkehr  der  einzelnen  Gebietsteile  im  deutschen  Buchhandel  unter  sich
bildeten  sich  andere  Kommissionsplätze  aus,  von  denen  heute  die  folgenden  bestehen:
Wien  für  den  österreichischen  Buchhandel  unter  sich,  Stuttgart  für  den  süddeutschen
Buchhandel,  Berlin  für  Teile  des  norddeutschen  Buchhandels,  Budapest  für  den
ungarischen  Buchhandel,  Prag  für  den  böhmischen  und  Zürich  für  den  Schweizer
Buchhandel.
Leipzig  kann  als  Kommissionsplatz  des  gesamten  deutschen  Buchhandels  gelten.
Auch  Stuttgart  hat  in  der  neueren  Zeit  als  Kommissionsplatz  größere  Bedeutung  erlangt, ­
  während  Berlin  in  den  letzten  Jahren  wieder  zurückgegangen  ist.  Zürich  diente
stets  dem  Schweizer  Buchhandel  als  Kommissionsplatz.  Die  verschiedenen  süddeutschen
Mollat,  Volkswirtschaftliches  Quellenbuch.  4.  Aufi.  21
            
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