Full text : Das Studium der Staats- und Wirtschaftswissenschaften auf den Universitäten und Hochschulen Deutschlands und die Doktorwürde (Dr. rer. pol.)

Wie soll man studieren ?
kommen. Auch empfiehlt es sich, in dieser Zeit die Bekanntschaft mit
Studierenden anzubahnen, um auf diese Weise später das Studium in
gewisser Vorbereitung beginnen zu können.
Die Umstände bringen es mit sich, daß viele Studierende sich
neben dem Studium praktisch betätigen müssen. Dem Mißbrauch, der
zuweilen mit dem nebenberuflichen Studium getrieben wird, indem Studierende
 nur dem Schein nach immatrikuliert waren, ist durch Wiedereinführung
 der Vorkriegsgebühren abgeholfen worden. Dagegen ist
gegen eine tatsächliche Verbindung von Praxis und Studium nichts einzuwenden,
 sofern dem Studierenden genügend Zeit verbleibt oder sofern
er durch außergewöhnliche Gesundheit und Leistungsfähigkeit eine
doppelte Arbeitsleistung zu ertragen imstande ist. Auf jeden Fall muß
der in der Praxis tätige Studierende mit wesentlich verlängerten Fristen
für das Studium rechnen. Es muß davor gewarnt werden, daß dergestalt
 belastete Studierende sich einem allein auf das Examen eingestellten
 Drill hingeben.
Von den Mißerfolgen in den Prüfungen werden überwiegend diejenigen
 Werkstudenten betroffen, die sich zu sehr von dem an sich
begreiflichen Drange erfassen lassen, ihr Studium in den für die „reinen
Studenten“ normalen Zeiten zu erledigen.
Die praktische Betätigung in den Ferien ist bis zu einem gewissen
Grade erwünscht, doch muß davor gewarnt werden, alle akademischen
Ferien restlos dafür zu verwenden. Ferien bedeuten einen planmäßigen
Bestandteil des akademischen Unterrichts; sie sind dazu da, dem
Studierenden Gelegenheit zum Durch- und Ausarbeiten des gehörten
Kollegs, zum Studium der Literatur und zur Anfertigung wissenschaftlicher
 Arbeiten zu geben.“
Der in vorstehenden Zeilen gegebene Rat liegt ungefähr in der Mitte
der Meinungen über diesen Punkt und dürfte durchaus zu beachten sein.
Jedenfalls wird eine vor Beginn des Studiums durchlaufene ernste praktische
 Tätigkeit sicherlich dem Studierenden in bezug auf Verständnis der
Vorlesungen und Bildung des Urteils von außerordentlichem Nutzen sein.
Wer also Wirtschaftswissenschaften studieren will, wird aus dem
Vorstehenden erkennen, daß dieses Studium, soll es in den vorgeschriebenen
 Semestern bewältigt werden, keine Zeit für ein feuchtfröhliches
Bierstudententum gewährt. Man wird mit „Volldampf“ arbeiten müssen,
ohne sich darum aber seine Jugend zu verkümmern. Wer ernst und
pflichtbewußt unentwegt seine Schuldigkeit tut, kann sich erst recht dem
frischen und frohen Studententum mit Zucht und Sitte hingeben.

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