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Reis. Vesperbrot (4 Uhr nachmittags): wie beim Frühstück.
Abendbrot (8 Uhr abends): Kartoffeln oder eine Mehlspeise, ge
nannt Buchweizenkuchen, eine Art Pfannkuchen aus dem Buchweizen
mehl, das mit Wasser und Salz zu Teig verarbeitet und dann in
der Pfanne gebraten wird. Dazu ißt man Butterbrot und zum
drittenmal Kaffee, aber ohne Milch. Mitunter gibt es zum Abend
essen als Hauptgericht einen Eierkuchen, eine Art Omelette aus
Weizenmehl, Milch, Salz und Eiern, mit etwas Butter in der Pfanne
gebraten.
Die Produkte des Schweines erscheinen in den mannigfachsten
Formen auf dem Tische. Der Arbeiter kauft Mitte Juli ein Schwein
von ungefähr 33 kg, macht es fett und schlachtet es um Weih
nachten; es wiegt dann ungefähr 105 kg. Einige Teile werden zu
Bratwurstteig verarbeitet, indem man 5 kg Mehl mit 14 kg fein
gehacktem Fleisch mengt; man schneidet die Masse in Scheiben,
läßt sie im Ofen 5 Std. backen, wobei man sie mit Lake übergießt,
und bewahrt sie dann in der Wurstkammer auf. Ebenso bereitet
man 2,8 kg Kotwurst. Die 4 Schinken werden gesalzen und ge
räuchert. Der Kopf wird zerhackt, eingesalzen und einige Zeit an
die Luft gehängt; der Speck wird teils geräuchert, teils zu Schmalz
ausgelassen. Der Rest des Fleisches wird geräuchert außer Ohren,,
Kopf und Pfoten, die frisch gegessen werden.
Außer Schmalz und der oben erwähnten Butter wird noch Rüböl
verwendet als Fett, besonders als Zutat zu den Kartoffeln: um es
zu reinigen und ihm den eigenartigen bitteren Geschmack zu
nehmen, erhitzt man es stark und hält während einiger Zeit ein
Stück Brot hinein. Dann tut man eine Zwiebel und Mehl in das
kochende Öl und dann die zuvor gekochten Kartoffeln. Mitunter
gibt es eine bessere Sauce zu den Kartoffeln, besonders zu den
Pfannkuchen, indem man dem Öl eine gleiche Menge Butter bei
mengt. Für die Gemüse verwendet man ebenfalls gereinigtes Öl,
wenn kein Speck vorhanden ist, mitunter nimmt man auch Rindsfett..
Das gebräuchlichste Getränk ist der Kaffee; während der Mahl
zeiten werden keine alkoholischen Getränke genossen. Dafür trinken
aber die Arbeiter nebenher und vor allem im Wirtshaus viel. Jeder
Arbeiter trinkt den Tag über 0,14 1 Branntwein' durchschnittlich;
die Enthaltsamsten begnügen sich mit der Hälfte.
§ 10. Wohnung, Mobiliar und Kleidung. Die Familie
bewohnt ein Haus, das sie von einem Solinger Kleinkaufmann
gemietet hat. Dieses Haus hat im Erdgeschoß eine große Werk-