fullscreen: Werke und Schriften bis Anfang 1844 (1,2.1930)

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Aber wie gesagt, nur in der Bestrebung, die Veredlung in gemesse- 
nem gleichem Verhältnisse auf alle Teile auszudehnen, wird der Wille 
bekundet, sich dieser Gaben würdig zu beweisen; nur durch die Gleich- 
mäßigkeit dieser Verteilung kann das schöne Gebilde, die wahre Har- 
; monie gefunden werden. . 
Ja, auf einzelne Teile beschränkt, liefert das aufrichtigste Bestreben 
nicht allein kein gutes Resultat, nein, es gebärt Karikaturen; auf dem 
physischen Teil Gecken, auf dem moralischen exaltierte Schwärmer, auf 
dem mvolitischen Intriganten, und auf dem geistigen gelehrte Bären. 
a) Ja, es mußte dies ein junger Mann sich zum Ziele setzen, 
wenn er seinen Eltern, deren Verdienste um ihn seinem Herzen zu 
würdigen überlassen wird, wirklich Freude bereiten wollte; beson- 
ders dann, wenn er wußte, daß diese Eltern ihre schönsten Hoff- 
nungen in ihn setzten; 
b) Ja, er mußte bedenken, daß er eine, möglicherweise seine 
Jahre übersteigende, aber desto heiligere Pflicht übernommen, sich 
selbst dem Wohl eines Mädchens zu opfern, das seiner ausgezeich- 
neten Verdienste und seiner geselligen Stellung nach ein großes 
Opfer brachte, wenn sie ihre glänzende Lage und ihre Aussichten für 
eine schwankende und grauere Zukunft hingab und sich dem Schick- 
sale eines jüngeren Mannes ankettete. Ihr eine Zukunft zu schaffen 
ist die einfache und praktische Auflösung, ihrer würdig, in der wirk- 
lichen Welt, nicht im beräucherten Zimmer bei der dampfenden 
Öllampe neben einem verwilderten Gelehrten; 
c) Ja, er hat eine große Schuld abzutragen, und eine edle Familie 
fordert großes Vergeltungsrecht für ihre dahingegebenen schönen 
und durch die treffliche Persönlichkeit ihres Kindes so sehr ge- 
gründeten Hoffnungen. Denn wahrlich, Tausende von Eltern würden 
ihre Einwilligung versagt haben. Und in düstern Augenblicken 
wünscht Dein eigner Vater beinahe, sie hätten es getan — denn 
zu sehr liegt mir das Wohl dieses Engelmädchens am Herzen, das 
ich zwar wie eine Tochter liebe, aber für deren Glück mir eben des- 
wegen so sehr bangt. 
Alle diese Verpflichtungen zusammen bildeten ein solches festgewebtes 
;; Band, das allein hinreichen mußte, alle bösen Geister zu bannen, alle Ver- 
irrungen zu verscheuchen, alle Mängel auszugleichen, neue und bessere 
Triebe zu entwickeln; aus einem verwilderten Burschen einen geregelten 
Menschen, aus einem negierenden Genie einen gediegenen Denker, aus 
einem wüsten Rädelsführer wüster Burschen einen geselligen Menschen 
‚ zu bilden, der zwar Stolz genug beibehalten mag, um nicht wie ein Aal 
sich zu schmiegen, aber praktischen Verstand und Takt genug haben 
soll, um zu fühlen, daß nur im Umgange mit gesitteten Menschen die 
Kunst zu erlernen ist, sich der Welt von der angenehmsten und vorteil- 
haftesten Seite zu zeigen, sich Achtung, Liebe und Ansehen zu erwerben, 
‚; so schnell als möglich zu erwerben, und praktischen Gebrauch der Talente 
zu machen, die die Mutter Natur ihm in der Tat verschwenderisch ver- 
Hliehen. ; 
Das war in kurzen Worten die Aufgabe. Wie ist sie gelöst? 
Marx-Engels-Gesamtausgabe. I. Abt., Bd. 1. 2. Hbd.
	        
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