Full text: Neuere Zeit (Abt. 2)

Türkenkriege u. spanischer Erbfolgekrieg; Osterreich europ. Großmacht. 513 
Neben den Versuchen, die Lande in der Verwaltung zu— 
sammenzufassen, gingen aber zugleich auch Bestrebungen her, 
ungefähr das gleiche Ziel auf dem Wege ständischer Ver— 
bindungen zu verwirklichen. Zwar haben sich da die Herrscher 
eigenmächtigen Verbindungen der Stände verschiedener Länder 
natürlich stets widersetzt: wie denn überhaupt nicht zu ver— 
kennen ist, daß der Weg ständischer Einung die Gefahr hatte, 
daß deren volle Durchführung dem Fürsten gegenüber einen 
einheitlichen Vertretungskörper von großer und vielleicht über— 
ragender Gewalt schaffen konnte. Indes scheinen Bedenken in 
dieser Richtung wenigstens in den ersten Zeiten der Einungs— 
versuche unter König Ferdinand J. noch nicht aufgetaucht zu 
sein. Schon vor Ferdinand J. aber hatte Kaiser Maximilian J. 
gemeinsame Tagungen der Ständeausschüsse seiner Länder ein— 
geführt; und speziell in dem Innsbrucker Ausschußtage des 
Jahres 1518 hätte man den Keim zu einer künftigen Gesamt— 
vertretung der Erblande sehen können. Ferdinand hat dann 
diese Politik fortgesetzt, ja nach der Erwerbung Böhmens und 
Ungarns auf diese Länder auszudehnen gesucht. Indes der 
Erfolg war nicht groß und eine Regelmäßigkeit irgendwelcher 
Art stellte sich nicht ein; zudem ermüdete Ferdinand selbst 
schließlich in den niemals ganz zum Ziele führenden Anläufen. 
Später aber hat eigentlich nur Matthias noch einmal im 
Jahre 1614 den Gedanken seiner Vorfahren aufgenommen, 
indes in dem Sinne, daß die Vertreter der einzelnen Länder 
zwar zu Linz zusammenkamen, aber ihre Antworten auf die 
Vorlagen der Regierung getrennt erstatteten. Jedoch auch dieser 
Versuch blieb vereinzelt, wie auch spätere Gesamtberatungen 
ständischer Ausschüsse in den Jahren 1655 und 1714 erfolglos 
Dderliefen. 
Von noch einer anderen Seite her endlich wurde das Problem 
einer Vereinheitlichung ihres Erbes seitens der österreichischen 
Herrscher früh ergriffen, indem sie nämlich versuchten, einen 
gemeinsamen österreichischen Adel über alle Länder hin, einen 
Hofadel im weiteren Sinne zu entwickeln. Es war ein Weg 
politisch-sozialer Ausgleichung, der schließlich deshalb am meisten
	        
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