Full text: Forstwirtschafts-Politik

Holzverkehrspolitik. 315 
zwischen dem Rundholz- und dem Schnittholztarif ein bestimmtes Spannungsverhältnis 
hergestellt wird, machen das Produkt Holz beweglicher und bedeuten so eine große Er- 
leichterung für die deutsche Forst- und Holzwirtschaft. Das gleiche gilt auch für die Wieder- 
einführung der Ostbahnsstaffel, deren Wirkung nun wieder wie früher bis Berlin reicht, 
und für die Schlesische Staffel, die den Wünschen Schlesiens nach einer Begünstigung des 
Schnittholzaustausches innerhalb seines Gebietes Rechnung getragen hat. 
Die deutsche Forstwirtschaft ist mit dem Erreichten keineswegs zufrieden und hat noch 
Wünsche mancherlei Art!). Sie fordert vor allem „im Rahmen der bestehenden Holz- 
ausnahmetarife eine Ermäßigung der Frachtsätze für die Entfernungen bis zu 400 km“. 
„Gegenüber dem Vorkriegszustand beträgt die Frachterhöhung für das Rundholz in Süd- 
deutschland für 100 bis 400 km 82, 75, 68, 60 °/4; in Preußen 48, 48, 45, 39 %; für 
Schnittholz in ganz Deutschland 65, 65, 62, 55 °/4. ~ Diese Steigerung der Frachtsätze ist 
größer als die prozentische Erhöhung der Holzpreise. Der Aktionsradius der Holzwirtschaft 
wurde durch dieses Mißverhältnis wesentlich verkürzt. ~ Die Forstwirtschaft und der 
Holzhandel brauchen ferner Wasserumschla g star if e und Wettbewerbs - 
t ar i f e gegenüber dem Ausland. ~ Wenn auch Deutschland kein eigentliches Holzexport- 
land ist, so muß doch die Möglichkeit, deutsches Holz nach dem Ausland zu verkaufen, im 
allgemeinen und für bestimmte Holzsorten im besonderen tarifarisch offengelassen werden. 
Daher muß die Ausfuhr über die trockene und nasse Grenze durch Tarifermäßigungen 
begünstigt werden, da es ein unerträglicher Zustand ist, daß das Ausland nach einem 
anderen Ausland durch Deutschland vermöge der Transittarife b i l li g e r gefahren wird 
als das deutsche Holz nach dem Ausland.“ Bei der heutigen Finanzlage der Reichs- 
bahngesellschaft dürfte jedoch eine Ermäßigung der Frachtsähtze für Holz kaum zu erreichen sein. 
Wenn Endres die Behauptung aufstellt, daß das St af f e lt ar i f \ y st e m der 
Forstwirtschaft und vor allem der süddeutschen „mehr schädlich als nützlich“ sei, weil der 
starke Tarifabfall auf die weiten Entfernungen dem deutschen Holztransport nicht zugute 
käme, da sich die hauptsächlichsten Transportlängen nur bis auf 200 bis 300 km 
erstrecken würden, vielmehr bewirke, daß das ausländische Holz über ganz Deutschland 
verteilt werden könne, so mag das von dem Gesichtspunkt der Forstwirtschaft, besonders 
der süddeutschen, im engeren Sinn aus betrachtet zutreffend sein. Vom Standpunkt der 
gesamten deutschen Forst- und Holzwirtschaft und der gesamten Volkswirtschaft aus 
betrachtet, dürfte jedoch gerade aus den schon früher erörterten Gründen die Hebung der 
Einfuhr ausländischen Holzes für die Wiedergesundung unserer Gesamtwirtschaft von großem 
Nutzen sein. 
1) Vgl. den Vortrag von En dr es auf der Vollversammlung des Reichsforstwirtschaftsrates 
am 29. und 30. Oktober 1925. Mitteilungen des Reichsforstwirtschaftsrates, 1925, Nr. 2,- S. 27,
	        
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