Full text: Forstwirtschafts-Politik

50 Natürliche Bedinglheit. 
der Grundsat von A. Weber1) : „Wenn also Gewicht und Entfernung die beiden 
einzigen Bestimmungsfaktoren sind, so werden die Transportkosten die industrielle 
Produktion offenbar an diejenigen Plätze ziehen, wo, die Konsumplätze auf der einen 
Seite, die Material- und Kraftstofflager auf der anderen Seite in Betracht gezogen, 
die geringsten verfahrenen Tonnenkilometer im Produktions- und Absatzprozeß als Ganzem 
entstehen. Denn bei Verlegung der Produktion an diese Plätze sind dann eben die 
Transportkosten am kleinsten. Der Transportkosten-Standort wird dann also der mit 
Rücksicht auf Konsumplätze sowie Material- und Kraftstofflager zu wählende ,tonnen- 
kilometrische Minimalplatz’ sein.“ 
Die leistung s fähig sten Im pr ägnierwer k e haben sich denn auch in der 
Tat an den gro ß en Wasser str aß en angesiedelt. Welche erstaunliche Leistungs- 
fähigkeit einzelne Werke infolge ihrer günstigen Lage an Wasserstraßen erzielt haben, 
ergibt sich daraus, daß z. B. ein Imprägnierwerk am Oberrhein seinen Aktionsradius 
von der Küste des Weißen Meeres bis nach Marseille und Paris auszudehnen verstand, 
indem es sein Holz vom Weißen Meer bezog und nach der Veredlung über das sogenannte 
Kanalnetz bis ins Innere Frankreichs verfrachtete. 
Im Gegensatz zu den Imprägnierwerken ist die Mehrzahl der K yanisierwerke 
in der Hauptsache nicht transport-, sondern rohstoff orientiert. Die meisten 
Kyanisierwerke liegen in Süd d eu t sch la n d (Baden, Württemberg und Bayern), das 
die beträchtlichsten Bestände an F i und T a aufweist, also an den Holzarten, die das zur 
Kyanisierung geeignetste Holzmaterial liefern. 
Im übrigen aber sind die le istun g s f äh i g st e n Kyanisierwerke zum Teil ver- 
bunden mit Imprägnierwerken, an Wasserstraßen gelegen, und also nicht nur r o h st o f fs, 
sondern auch trans portmäßig orientiert. 
Standort der Säge-Industrie. 
Die Säge-Industrie ist ihrem Standort nach sehr von ihrem Rohstoffe, dem Rohholz 
oder Rundholz, abhängig. Dieses ist sehr schwer, kostet demgemäß viel Fracht und ist 
daher nicht vorteilhaft auf größere Entfernungen zu transportieren. Deshalb fand man 
früher und findet auch heute noch, besonders in nicht stark industrialisierten Ländern, wie 
3. B. Schweden und Finnland die Säge-Industrie in der Nähe des Rohstoffes, also in 
der Nähe großer Wälder, also stark rohstofforientiert. Mit Rücksicht auf den Absatz ihrer 
Produkte ist aber in neuerer Zeit die Säge-Industrie besonders in nicht eigenverssorgungs- 
fähigen Ländern, wie Deutschland, auch transportorientiert, wobei die Orientierung auch 
meist noch nach dem Ausfuhrland und den zu diesem führenden Verkehrsmitteln, vor 
allem den billigeren Wasserstraßen, hinneigt. So liegen heute die großen Säge- und 
Hobelwerke Deutschlands meist an den großen Eisenbahnlinien und Wasserstraßen, auf 
denen das Holz aus den Exportländern direkt herangebracht wird; vor allem aber an den 
Wassserstraßen, die nicht nur ein äußerst billiges Verkehrsmittel sind, sondern auch der 
Säge-Industrie die Möglichkeit bieten, ihre Fabrikate ohne allzu großen Aufwand an die 
holzverarbeitende Industrie (Möbel-, Parkett- usw. Industrie) weiter zu führen. ~ Die 
Säge-Industrie ist also ursprünglich rohstofforientiert und wird dann meist transport- 
orientiert. In Schweden und Finnland haben sich die Hauptsägewerke am Meer und 
1) A. Weber, „Über den Standort der Industrien. Erster Teil. Reine Theorie des 
Standortes“, Tübingen 1909, S. 49.
	        
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