Full text: Deutsche Geschichte (Bd. 5, Hälfte 1)

Entwicklung der individualistischen Gesellschaft. — 127 
Karl IV. und in den Grenzen seines unstäten Leichtsinns auch 
Kaiser Sigmund, voll begriffen haben. Friedrich III. hatte dann 
freilich dafür kein Verständnis, so sehr er Anwandlungen krausen 
Gelehrtseinwollens unterlag. Während seines langen Inter⸗ 
regnums ging das Mäcenat teilweis auf andere über — auf 
die Masse der geistig Interessierten, auf die Bildungshungrigen 
des Volkes überhaupt. Sie haben dann später der glänzenden 
Entwicklung unserer Kunst zugejauchzt; für sie hat Dürer 
seine Kupferstiche geschaffen, für sie Hutten seine Dialoge. 
Es ist einer der wichtigsten Vorgänge für den besonderen 
Charakter der geistigen Bewegungen in Deutschland bis tief 
hinein in die Jahre der Reformation; nur unter der Vorstellung 
der gesamten Masse der Gebildeten nicht bloß als Chorus, 
sondern als eines unmittelbar an der geistigen Produktion der 
großen Geister beteiligten Körpers ist namentlich auch die Refor⸗ 
— 
Außerdem aber folgte auf Kaiser Friedrich ein Herr, der 
Verständnis besaß für geistigen Fortschritt. Nach den Ratschlägen 
des Aneas Sylvius erzogen, zeigte Kaiser Maximilian sich nach 
allen Richtungen fördersam und gewann sogar ein innerliches 
Verhältnis zu gewissen Wissenschaften, namentlich soweit sie den 
Ruhm seines Hauses zu verbreiten geeignet waren, 3. B. zur 
Geographie und Geschichte. Zudem besaß er litterarische 
Neigungen und künstlerisches Verständnis. So ist er denn 
selbst als Schriftsteller und Dichter thätig gewesen; ein ganzer 
Cyklus von Werken und Ideen, zu deren Ausgestaltung das 
Wort zumeist nicht minder herangezogen wurde wie das Bild, 
wird seiner Anregung verdankt, vom Freydal, der Umschreibung 
einer Minnefahrt u Maria von Burgund, an bis zum Theuer— 
dank, der ein vetwandtes Thema behandelt, bis zum Weiß⸗ 
kunig, einer allegorischen Selbstbiographie, und bis zu den 
großen Holzschnittprojekten der Ehrenpforte des Hauses ster⸗ 
ceich und des eignen Triumphzugs. Auch war Maximilian ganz 
von der wohlüberlegten Begier nach litterarisch und künstlerisch 
vermitteltem Nachruhm erfüllt, die überall den erwachenden 
Individualismus seiner Zeit kennzeichnete: „Wann ein Mensch
	        
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