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ihrer Stelle erscheint eine Tierwelt, welche der Mensch in den Dienst
des Verkehrs und seiner Wirtschaftsstufe gestellt hat, nämlich die der
Haustiere. Es ist ein interessantes, aber hier zu weit führendes-
Problem, die Urheimat und die Wanderungen der Haustiere, ihre Auf
teilung in Rassen, und damit Hand in Hand die Wandlungen ihrer
Haut und ihres Haarkleides zu untersuchen Z. Manche Sagen des
klassischen Altertums künden noch von diesem Kampf gegen die der sich
ausdehnenden Verkehrswirtschaft feindlichen Tiere, und es ist vielleicht
ein Momentbild aus der letzten Phase dieses Stadiums, wenn wir
hören, daß im alten Theben die Häute von Löwen und Leoparden 2 ),
und daneben die von Eseln, Pferden, Rindern, Schafen und Ziegen
gegerbt werden. Keine andere Phase, allerdings in modernen Kom
binationen, liegt vor, wenn wir hören, daß z. B. in Freistadt in Ober
österreich 3) vom dortigen Weißgerber Wolfshäute und Luchsfelle russi
scher Provenienz, und daneben Schaf-, Ziegen-, Hirsch-, Gems- und-
Elenshäute bereitet werden.
Daß übrigens die in die menschliche Wirtschaft eingetretenen Haus
tiere nicht gleich zur Deckung des Häutebedarfs herangezogen werden
müssen, nämlich dann nicht, wenn sie zu anderen Zwecken wertvoller-
erscheinen, oder wenn, häufig in Verbindung mit letzterem Punkte, ge
wisse religiöse Vorstellungen ihre Tötung verbieten, das zeigt z. B. die
Heiligkeit des Pflugstieres, das Verbot der Tötung der Pflugochsen *),
oder die verachtete Stellung der Gerberei bei manchen Völkern, ein
Punkt, auf welchen wir in anderem Zusammenhange zu sprechen kommen
werden. Wohl den großartigsten, gelungensten Versuch der Einführung
von Haustieren beobachten wir in Südamerika, aber auf die wirtschaft
lichen Verhältnisse, zu welchen er Veranlassung gegeben hat, soll eben
falls erst später die Sprache kommen.
Der Preistarif Diocletians °), welcher Häute und Felle von Rindern^
Ziegen, Schafen, Hirschen, Mardern, Bibern, Bären, Wölfen, Füchsen,.
Leoparden, Hyänen, Löwen und Robben kennt, zeigt in charakteristischer
Weise die Rolle, welche die Häute und Felle unserer Haustiere am aus
gehenden Altertum zur Bedarfsdeckung und in der Wertschätzung spielen..
Das ganze Mittelalter ist bestrebt gewesen, den Kulturkreis unserer
Haustiere auszudehnen und damit die übrige Säugetierwelt wenigstens
der größeren Tiere an die Peripherie der großen Wirtschaftsgebiete zu
J ) Vgl. Hommel 1885, S. 194; Lippert; Beckmann 1805, S. 4; Friedrich.
1911, S. 4; Marquardt 1882, S. 414.
2 ) Rehlen 1865, S. 132. 3 ) Sperl. 1909, S. 15.
4 ) Goguet 1760, Bd. I, S. 120.
5 ) Blümner 1875, Bd. I, S. 266; Marquardt 1882, S. 569; Mommsen
1893, S. 24—25, 122.