stern. unbekannt bis zu seiner Veröffentlichung durch die Bolschewisten;
auch den Vertrag der Triple-Entente hatten sie nie zu Gesicht bekommen.
Rußland hatte eine autokratische Regierung. Aber weder in Österreich-
Ungarn noch in Deutschland hatten die Parlamente und nicht einmal die
nn Minister Kenntnis von den Verträgen, die den Krieg vorbereiteten und un-
3- vermeidlich machten. Wahrscheinlich waren jene Verträge in Deutschland
1e und Österreich-Ungarn nur_den Herrschern, ihren Kanzlern und Ministern
st des Auswärtigen bekannt. In Frankreich blieben die äußere Politik und die
ri Verträge und Pakte dem Parlament und wahrscheinlich auch den Ministern
selbst zum großen Teil unbekannt. In Bezug auf Italien enthält das Buch von
M. Bochitchevich: Les causes de la guerre. Paris 1925, interessante Einzel-
Ta heiten.
;'h Man darf überzeugt sein, daß der Frieden beständig in Gefahr ist, so lange
7 die Regierungen (d. h. die Ministerien) und die Parlamente nicht informiert
an sind und infolgedessen die Handlungen der Staatshäupter_und der Minister
E des Auswärtigen nicht kontrollieren können, und ohne daß die Geheimdiplo-
matie, die jetzt leider wieder zu Ehren kommt, abgeschafft wird. Über diesen
ig delikaten Punkt glaube ich, nicht mehr sagen zu dürfen, in Wahrung des
= Amtsgeheimnisses und im Hinblik auf meine persönliche Situation, zumal
ich nichts anführen will, was nicht schon aus Veröffentlichungen bekannt
18. ist. Die Gefahr ist aber so groß und das Geschehene so folgenschwer, daß
ns man das Problem in seiner Gesamtheit’ wird anpacken müssen, sobald in
gr Europa geordnete Zustände und die Möglichkeit ruhiger Diskussionen wieder-
te: gekehrt sind.
II.
— Die zwei großen Gründer der italienischen Einheit, Mazzini und Cavour,
d und der größte Kämpfer für die italienische Unabhängigkeit, Garibaldi,
h betrachteten die Freiheit nicht nur stets als höchste Notwendigkeit, sondern
als die conditio sıne qua non für eine wahre nationale Existenz. Die Italiener
= kennen die Ideen Cavours, welche die Ideen von Mill und der englischen libe-
38 ralen Schule gewesen_waren,
Do Garibaldi sagte, daß die Freiheit das heiligste aller Güter sei und daß
te er ein armes und freies Land einem reichen und geknechteten vorziehe: „Ich
nn möchte es frei sehen — und seine Schlösser zertrümmert — eher als es beben
u sehen — unter der Geißel der Vandalen.“
;:h Mangel an Freiheit und vor allem Gleichgültigkeit gegen die freien Ver-
nn fassungen sind für ein zivilisiertes Volk ein Zeichen unausweichlichen Ver-
1 falls. Eine Nation, die auf Freiheit verzichtet, verzichtet auch auf Größe.
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