Amsterdam hier maßgebenden Einfluß!). Die 1720 errichtete ‚5 0 -
cieteit van Berbice“ erhielt 1732 von den Generalstaaten
einen Oktroi, an dessen Ausnutzung Amsterdam stark beteiligt war.
Die 1771 in Middelburg errichtete „Societeit ter navigatie op Esse-
quebo‘““ stand unter Leitung des Middelburger Bürgermeisters
Kornelis van den Helm Boddaert; er hatte schon 1766, ähn-
lich wie Deutz, den Pflanzern in Essequebo und Demerara
Kredite gegeben, bei denen sich die Stadt mit 50 000 fl. beteiligte;
eine Anleihe von 300 000 fl. reichte bald nicht mehr aus, so daß
man Utrecht und Haag zu Hilfe rufen mußte; auch mit dem Hause
Heshuisen in Amsterdam und Haarlem wurde angeknüpft.
Ebenso erhielten die Pflanzer auf den dänischen Inseln St. Thomas,
St. Croix, St. Jan die Unterstützung niederländischen Kapitals.
Wie hoch sich alle diese Darlehen beliefen, läßt sich nicht sagen;
für Surinam allein wurden 50—60 Mill. fl. genannt?). Viele Privat-
leute haben offenbar in diesen amerikanischen Kolonien große
Summen zugesetzt; man konnte in den Auktionen oft Plantagen,
an denen große Kapitalien verloren waren, sehr billig kaufen; selbst
Großunternehmer wie Fizeaux ,‚ der in Berbice stark interessiert
war, haben auf die Dauer hierbei wenig Seide gesponnen?). Die
Westindische Kompanie aber, die allmählich zur völligen
Bedeutungslosigkeit herabgesunken war, wurde 1792 Ssang-
undklanglosaufgehoben.
Also auch im Westen herrschte ein wenig erfreulicher Geist
in der Kolonialwirtschaft ; rücksichtslose Ausbeutung der kolonialen
Gebiete ging Hand in Hand mit einer skrupellosen Geld- und Finanz-
politik. Wirtschaftlich wurde auch hier verhältnismäßig wenig er-
reicht; es blieb zu viel zwischen den Händen der Vermittler, der
berufenen und unberufenen, hängen; und die rationelle Ausnutzung
der Pflanzungen wurde beeinträchtigt durch die Habsucht der
Eigentümer und Geldgeber, freilich auch wohl durch die hier im
Gegensatz zum Osten weit schwierigere Beschaffung der Arbeits-
ı) Brugmans, a. a.10., SS. 149.
2) vander Meulen; S:1520 £f.
3) Vgl. Luzac, II, 241 ff.; über den großen Mißbrauch, der mit Gelddar-
lehen für Plantagen getrieben wurde, ebenda, IV, 307 f. Nach d’Alphonse,
S. 426, waren damals (1810) noch etwa 94 Mill. fl..in Berbice, Essequebo, Demerara
und Surinam investiert.
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