Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

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kräfte. Dabei wurden auch für Surinam die schon aus Ostindien 
bekannten Klagen über die Luxuswirtschaft der Plantagenbesitzer 
laut*). Für den Handel mit amerikanischen Erzeugnissen und die 
Ausfuhr dorthin waren diese Besitzungen immerhin wertvoll?). 
Durch nichts konnte besser die hohe Wertschätzung, die den 
überseeischen Besitzungen der Niederländer in ihrem Wirtschafts- 
leben von ihnen selbst beigemessen wurde, beleuchtet werden als 
durch die Eifersucht, die sie gegenüber jedem wirklichen oder ver- 
meintlichen Einbruch in ihren Besitzstand an den Tag legten. Mit 
den übrigen alten Kolonialvölkern mußten sie sich mehr oder 
weniger gütlich einigen über den gegenseitigen Besitzstand; 
seine Ausdehnung war ja schließlich auch begrenzt durch die 
eigene wirtschaftliche und politische Leistungsfähigkeit ; Brasilien 
war ein warnendes Beispiel einer mit unzulänglichen Mitteln unter- 
nommenen wirtschaftlichen Expansion. Mit England einigten sich 
1619 die Generalstaaten über die Abgrenzung des Arbeitsgebietes 
der beiderseitigen ostindischen Kompanien?). 
Ganz anders verhielt es sich aber, wenn Nationen, die im 
16. Jahrhundert etwas Wichtigeres zu tun gehabt hatten, als trans- 
ozeanische Raubfahrten zu unternehmen, wie die Engländer, sich all- 
mählich auch den überseeischen Gebieten zuwandten und ihren Platz 
an der Sonne begehrten. Das war den Niederländern, soweit ihre 
Besitzungen davon berührt wurden, höchst unsympathisch. Als 
1615 Hamburg an die Generalstaaten als Bedingung seines Bei- 
tritts zu dem Bündnis die Beteiligung an der Ostindienfahrt forderte, 
erfuhr es eine höfliche, aber glatte Ablehnung; da die Kompanie 
das Monopol der Ostindienfahrt habe, so würde es mit einer ham- 
burgischen Ostindienfahrt seine „Schwierigkeiten“ haben‘). Das 
genügte völlig, um die Hamburger von einem solchen Unternehmen 
abzuschrecken. Schon weniger leicht war es, die Beteiligung 
der Schweden abzulehnen. An der 1647 von Lodewijk 
de Geer errichteten schwedisch-afrikanischen Kompanie waren 
!) De Koopman, V, 191, 
®) Vgl. Diferee, Geschiedenis, S. 514. Über den vorteilhaften Schmuggel- 
handel, den die Amsterd, Regenten nach Ausbruch des amerikanischen Freiheits- 
krieges von den holl.-westindischen Besitzungen aus nach Nordamerika trieben, 
vgl. Brugmans, Opkomst, S. 236, 240. 
3 Klerkde Reus,/S.13. 
2 Wiese, S. 116 ff. 
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