Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik der Völkerzustands- und Staatenkunde

376  SOCIAL&TATISTIK  —  Umgestaltung  der  BevÖlkerungsverhältnisso.
trachtet,  minder  gewichtig  scheinende  Walnnehrnungen,  reihen  sich
bedeutungsvoll  an.  Wir  gedenken  zunächst  einer  Heinerkung,  die
Marc  d’Espine  schon  1847  niederschrieb  (sielie  Notice  statistique
sur  les  lois  de  Mortalité  et  de  Survivance),  welche  früher  gar  nicht  beachtet ­
  worden  zu  sein  scheint,  welche  aber  durch  die  erwähnten
neuern  Ergebnisse  der  Bevölkerungsaufnahinen  eine  erhöhte  Bedeutung
erhielt.  Marc  d’Espine  äussert:
„Es  erhellt  aus  den  Thatsachen,  dass  das  mittlere  Alter
zu  Genf  seit  1560  bis  zum  Beginne  des  19.  Jahrhunderts,  sich
fortwährend  erhöht,  und  in  dieser  Zeit  von  260  Jahren  sich  mehr
als  verdoppelt  hat;  dass  es  aber  in  den  letzten  30  Jahren,  wo  dasselbe ­
  (das  mittlere  Alter)  40  Jahre  um  ein  Weniges  überstieg,
seinen  Gipfelpunkt  erreicht  zu  haben  scheint  und  weiterer
Erhöhung  nicht  fähig  ist.  Mailet  hat  das  mittlere  Alter  für  die  beiden ­
  Jahrzehnte  von  1814—33  (zu  Genf)  zu  ermitteln  gesucht;  er
fand,  dass  dasselbe  in  der  zweiten  Hälfte  dieser  Periode  etwas  golingei
  war  als  in  der  ersten.  —  Die  wahrscheinliche  Lebensdauer
ist  nach  meiner  Tabelle  (Ergebnisse  von  1838—45  im  ganzen  (Jautone
  Genf)  43,62  Jahre;  nach  Iloyer  (Ergebnisse  in  der  Btadt  und
dem  Weichbilde  von  1814—30)  47,21  Jahre;  nach  Mailet  (Ergebnisse
in  der  Stadt  allein  von  1814—33)  45,08;  von  1804—1814  40,68,
von  1761—1800  32,37,  von  1701  —  1760  27,18,  von  1601  —  1700
11,61,  und  von  1561—1600  4,88  Jahre.  So  hat  sich  die  wahrscheinliche ­
  Lebensdauer  seit  dem  16.  Jahrhunderte  vergrössert,...
  scheint  aber  (ebenso  wie  das  mittlere  Alter)  gegen  die  dreissiger
Jahre  (dans  la  seconde  qidnzaine  d'annéesj  ihren  Gipfelpunkt  erreicht  zu
haben,  und  seitdem  eher  zu  einem  Herabgehon  sich  zu  neigen;
denn  ich  fand  dieselbe  um  zwei  Jahre  geringer  als  Mailet,  und  um
4  Jahre  niedriger  als  Hey  er  ;  auch  glaube  ich  nicht,  dass,  wenn  ich
mich  blos  mit  der  Stadt  (also  nicht  dem  ganzen  Uantone)  befasst
hätte,  ich  eine  höhere  Ziffer  gefunden  haben  würde,  da  die  Mallet's
schon  geringer  ist  als  jene  von  Heyer  (welcher  die  Vorstädte  dazu
zog.)  Ein  anderes  Zeichen  der  Neigung  zum  Herabgehen  ist,  dass
Mailet  die  wahrscheinliche  wie  die  mittlere  Lebensdauer  zwischen
1824  und  33  etwas  geringer  fand,  als  zwischen  1814  und  33.«
Nur  gegen  einen  Punkt  in  dieser  Erörterung  müssen  wir  uns
erklären.  Die  Behauptung  Marc  d’Espine’s,  „dass  die  mittlere  Lebensdauer ­
  einer  weiteren  Erhöhung  nicht  fähig  zu  sein  scheine,“  geht  zu
weit.  1'ür  jetzt  scheint  allerdings  der  Gipfelpunkt  erreicht,  oder
wohl  gar  überstiegen.  Dagegen  beweist  nichts  die  Möglichkeit  eines
späteren  höheren  Aufschwungs.  Die  mittlere  Lebensdauer  ist  noch  so
vielfach  durch  grellstes  materielles  Elend  herabgedrückt,  —  diese  allgemeine ­
  mittlere  Lebensdauer  steht,  besonders  in  einzelnen  Classen
und  Ständen,  derjenigen  in  vielen  andern  Ständen  noch  so  sehr  nach,
dass  sich  der  obige  Ausspruch  von  einer  wahrscheinlichen  absoluten  Unfähigkeit ­
  weiteren  Voranschreitens  zum  Bessern,  nicht  begreifen
lässt.  Was  heute  erzielt  ist,  ward  vor  Jahrhunderten  auch  für
unmöglich  gehalten.
            
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