Full text: Kritische Geschichte der Nationalökonomie und des Socialismus

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staatsmännisch denkende Beobachter und Darsteller der allge 
meinen Thatsachen haben natürlich gewisse wirthschaftliche 
Züge, die bei dem üeberblick unmittelbar in die Augen fielen, 
nicht leicht zu übersehen vermocht. Die öffentlichen Finanzen 
mussten auch den Praktikern jenerZeiten und Zustünde manches 
eigentlich volkswirthschaftliche Verhältniss nahebringon. Allein 
von der bewussten Aufstellung auch nur eines einzig'en Princips 
der Volkswirthschaftslehre, an welches man rationelle Folge 
rungen geknüpft und welches man als wissenschaftlichen Satz 
in irgend einem Zusammenhang gleichartiger Wahrheiten gel 
tend zu machen versucht hätte, ist keine Spur anzutreffeu. Man 
wird thatsächlich freilich mehr gewusst haben, als man bei 
Xenophon oder bei Platon und Aristoteles an allgemeinen Vor 
stellungen antrifft. Dennoch ist auch unter Berücksichti 
gung dieses Umstandes kein thatsächlicher Anhaltspunkt für 
die Rechtfertigung der Voraussetzung vorhanden, dass man zu 
irgend erheblichen Elementen einer nationalökonomischen 
Wissenschaft gelangt wäre. Die Geschäftsleute jener Zeit 
werden zwar sicherlich von manchen wirthschaftlichen Vor 
gängen, die ihr Interesse unmittelbar berührten, praktisch 
brauchbarere Vorstellungen gehabt haben, als mancher heutige 
Professor der Nationalökonomie, der durch Citate aus Aristo 
teles den Mangel seiner Urthcilskraft zu ersetzen sucht. Allein 
von dem Wissen oder vielmehr dem Instinct der Routine bis 
zu einer, auf mehr als die nächsten Zwecke ausblickenden 
Beurtheilung und Einsicht ist noch ein sehr weiter Schritt, 
wie wir dies heute jeden Tag an unsern eignen Zuständen 
beobachten können. Ganz ohne Zweifel wusste der Händler 
zu allen Zeiten und unter allen Verhältnissen, dass die grössere 
Menge des Angebots der Waaren, mit denen er sich befasste, 
unter übrigens gleichen Umständen und namentlich bei gleich 
gebliebenem Bedürfniss die Aussichten auf die Erzielung der 
bisherigen Gegenleistung ungünstiger gestaltete. Ebenso musste 
er auch wissen, dass man eine Sache unmittelbar gebrauchen 
oder sie für andere Gegenstände Umtauschen kann. Indessen 
wird ein antiker Kaufmann schwerlich diese letztere Vorstel 
lung für so erheblich gehalten haben, um sie für eine beson 
dere Weisheit auszugeben. Da sie sich aber gelegentlich im 
ersten Buch von Aristoteles Schrift über den Staat in recht 
trivialer und verschulter Art ausgesprochen findet, so machen
	        
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