Full text: Die politische Ökonomie des Rentners

Zwei Gründe für die VUeberschätzung der gegenwärtigen Güter 147 
Gegenwart realisieren — es verkaufen und beispielsweise 100 
Werteinheiten erlösen; wir können es im Produktionsprozeß an- 
wenden und nach Verlauf einer bestimmten Zeit 150 Wertein- 
heiten erhalten. Also ist der zukünftige Wert des Produktions- 
mittels gleich 150, der gegenwärtige dagegen gleich 100 Wert- 
einheiten. Wenn wir jetzt mit Böhm- Bawerk die Möglichkeit 
der Wertschätzung der gegenwärtigen Güter nach ihrem zukünf- 
tigen Werte annehmen, ergibt sich, daß dies gerade in bezug auf 
die Produktionsmittel ganz unzulässig ist, denn sonst würde jeder 
Unterschied zwischen dem, was der Kapitalist selbst bezahlt, und 
dem, was er später erhält, verschwinden; es würde das Agio ver- 
schwinden, das nach Böhm-Bawerk die Basis für den Profit bil- 
det. Der Irrtum Böhm-Bawerks besteht darin, daß er für die 
zukünftigen Werte die Möglichkeit der gegenwärtigen 
Anwendung ausschließt“. Freilich, die imaginären künftigen 
Güter können ihren Wert in der Gegenwart nicht realisieren. 
Doch gerade die Produktionsmittel, die materiell bereits in der 
Gegenwart vorhanden sind, passen in die Kategorie der „imagi- 
nären Gulden“ gar nicht hinein. Eins von beiden: entweder kön- 
nen die gegenwärtigen Güter ihren Wert nicht vom Zukunfts- 
nutzen entlehnen (natürlich in den Grenzen des von uns unter- 
suchten ersten Grundes), dann ist für die Veberschätzung der 
gegenwärtigen Güter kein Platz, denn die Gleichheit der Bewer- 
tung der gegenwärtigen und künftigen Güter fällt weg; oder die 
gegenwärtigen Güter können ihren Wert vom zukünftigen 
Nutzen ableiten, dann bleibt es unerklärt, woraus Böhm-Bawerk 
den Profit entstehen läßt. (Wiederum vorläufig nur in den Gren- 
zen des ersten Grundes). Sowohl in dem einen wie im anderen 
Fall ist das Resultat für Böhm-Bawerk nicht gerade tröstlich. 
Betrachten wir uns den Gegenstand vom Standpunkte der 
gegenwärtigen kapitalistischen Wirklichkeit, d. h. von dem 
Standpunkte der Kapitalisten und der Arbeiter. Wir beginnen 
mit den letzteren. Die Arbeiter verkaufen ihre Ware — Arbeit, 
die von den Kapitalisten als ein Produktionsmittel, d. h. als ein 
zukünftiges Gut, zum Austausch gegen „gegenwärtige‘ Gulden 
gekauft wird. Der Arbeiter verkauft „freiwillig‘“ seine Arbeit (Zu- 
kunftsgut) gegen einen Wert, der geringer ist als derjenige, den 
das Arbeitsprodukt haben wird. Dies geschieht aber 
keineswegs deshalb, weillder Arbeiter mit 
einem besseren Verhältnis von Bedarf und 
7 „Das künftige Gut, das den seinigen (Wert. N. B.) nur von einer... 
künftigen (Sperrdruck des Verfassers) Verwendung ‘herleiten kann...“ 
(Böhm-Bawerk: „Positive Theorie“, S. 442). 
10”
	        
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