Full text: Die politische Ökonomie des Rentners

36 Die methodologischen Grundlagen d. Grenznutzentheorie u. d. Marxismus 
subjektivistische Schule: Hier ist „überall die ‚Motivation‘ der 
(individuellen) wirtschaftlichen Handlung in den Mittelpunkt des 
Systems getreten‘‘®. 
Dieser Unterschied ist sehr treffend hervorgehoben. In der 
Tat, während Marx „die gesellschaftliche Bewegung als einen 
naturgeschichtlichen Prozeß (betrachtet), den Gesetze lenken, die 
nicht nur von dem Willen, dem Bewußtsein und der Absicht der 
Menschen unabhängig sind, sondern vielmehr umgekehrt deren 
Wollen, Bewußtsein und Absichten bestimmen‘“, ist für Böhm- 
Bawerk der Ausgangspunkt der Analyse das individuelle Bewußt- 
sein des wirtschaftlichen Subjekts. 
„Die sozialen Gesetze — schreibt Böhm — deren Erforschung 
die Aufgabe der National-Oekonomie ist, beruhen auf überein- 
stimmenden Handlungen der Individuen. Die Uebereinstimmung 
im Handeln ist wieder eine Folge des Wirkens übereinstimmen- 
der Motive, die das Handeln leiten. Bei dieser Sachlage kann 
nicht leicht ein Zweifel darüber bestehen, daß die Erklärung der 
sozialen Gesetze bis auf die treibenden Motive, welche die Hand- 
lungen der Individuen leiten, zurückgehen, bzw. von ihnen ihren 
Ausgangspunkt nehmen muß®.‘“ Und so ist der Gegensatz zwi- 
schen der objektivistischen und der subjektivistischen Methode 
nichts anderes als ein Gegensatz zwischen der sozialen und der 
individualistischen Methode°. Indessen bedarf die oben ange- 
führte Definition der beiden Methoden einer weiteren Vervoll- 
ständigung. Vor allem muß noch die Unabhängikeit vom Willen, 
Bewußtsein und der Absicht des Menschen betont werden, von 
der bei Marx die Rede ist; zweitens muß auch das „Wirtschafts- 
subjekt‘‘ näher bestimmt werden, das den Ausgangspunkt der 
österreichischen Schule bildet. ‚„‚... Diese bestimmten sozialen 
Verhältnisse (sind) ebensogut Produkte der Menschen, wie Tuch, 
Leinen usw.!. Doch folgt daraus noch keinesfalls, daß das 
soziale Ergebnis, jenes „Produkt“, von dem bei Marx die Rede 
ist, im Bewußtsein der Subjekte als Ziel oder treibendes Motiv 
S Ib. S. 592: 
7 Karl Marx: „Kapital‘“, Bd. I, S. XVI. Das Zitat ist einer Rezension Kauf- 
manns entnommen, die Marx selbst anführt und mit der er vollständig ein- 
verstanden ist. 
8 Böhm-Bawerk: „Grundzüge der Theorie des wirtschaftlichen Güter- 
werts“, Hildebrands Jahrbücher für Nationalökonomie und Statistik, 13. 13. 
N. F., S. 78. Ebenso Menger: „Untersuchungen über die Methoden der So- 
zialwissenschaften usw.‘“ Liefmann I. c. S. 40. 
9 Vgl. R. Stolzmann: „Der Zweck in der Volkswirtschaftslehre“, Berlin 
1909, S. 59. 
10 Karl Marx: „Das Elend der Philosophie“. Deutsch von Bernstein und 
K. Kautsky, S. 91.
	        
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