50 Die methodologischen Grundlagen d. Grenznutzentheorie u. d. Marxismus
jene Erscheinung charakteristisch, die Marx den „Fetischcha-
rakter der Ware‘ nannte und im „Kapital‘ glänzend analysierte.
Gerade hier wird das persönliche Verhältnis der Menschen selbst
im Produktionsprozeß zu einem unpersönlichen Verhältnis von
Dingen, wobei diese die Form der „gesellschaftlichen Hierogly-
phe*“ des Wertes (Marx) annehmen. Daher der „rätselhafte‘‘
Charakter, der der kapitalistischen Produktionsweise anhaftet und
die Eigentümlichkeit der hier für die theoretische Forschung zum
erstenmal auftauchenden Probleme. „Nicht wegen des ‚charaktere
typique de la liberte& economique‘, sondern wegen der er -
kenntnistheoretischen Eigenart des Konkurrenz-
systems, welches sowohl die größte Zahl der theoretischen Rät-
sel als die größte Schwierigkeit, sie zu lösen, mit sich führt‘““*,
bietet die Analyse der kapitalistischen Gesellschaft ein besonderes
Interesse und verleiht eine besondere logische Form der ökono-
mischen Wissenschaft, die die Gesetzmäßigkeit des elementaren
Lebens der modernen Gesellschaft erforscht, Gesetze aufstellt, die
von menschlichem Bewußtsein unabhängig sind, — „regelnde
Naturgesetze — ähnlich dem Gesetz der Schwere, wenn einem
das Haus über dem Kopfe zusammenpurzelt““**
Dieser elementare Charakter, der eine Folge höchst verwickel-
ter Verhältnisse ist, ist selbst eine geschichtliche Erscheinung, die
nur der Warenproduktion als solcher zukommt“. Nur die unor-
ganisierte gesellschaftliche Wirtschaft zeitigt solche spezifische
Erscheinungen, bei denen die gegenseitige Anpassung der ver-
schiedenen Teile des „Produktionsorganismus‘“ unabhängig von
dem bewußt darauf gerichteten menschlichen Willen erfolgt. Bei
einer planmäßigen Führung der gesellschaftlichen Wirtschaft
stellt die Verteilung und die Wiederverteilung der gesellschaft-
lichen Produktionskräfte einen bewußten, auf statistischen An-
gaben fußenden Prozeß dar; bei der gegenwärtigen Produktions-
4 Karl Marx: „Kapital‘“, Bd. I, S. 40.
42 Heinrich Dietzel: „Theoretische Sozialökonomik“, S. 90.
43 Karl Marx: „Kapital‘, Bd. I, S. 39 (Volksausgabe).
44 Gesetzmäßige Erscheinungen heutiger Art... erst entstanden, als jede
Isolierung, aber auch diejenige Örtliche Abgeschlossenheit überwundene
Dinge waren“ (Neumann: „Naturgesetz und Wirtschaftsgesetz“, Zeitschrift für
die gesamte Staatswissenschaft, herausgegeben von Schäffle, 1892, Jahrg. 48,
Heft 3, S. 446). Herr Struve lobt sehr Marx für seine Analyse des Waren-
fetischismus, doch glaubt er, daß Marx sowohl wie die ganze Schule des
wissenschaftlichen Sozialismus einen Fehler begingen, indem sie dieser Er-
scheinung einen geschichtlichen Charakter beilegten. Doch hinderte dieser
letzte Umstand denselben Autor übrigens nicht, den Fetischismus in Ver-
bindung mit der Warenwirtschaft zu bringen, die nach seiner eigenen Ansicht
eine historische Kategorie darstellt. (Siehe sein „Wirtschaftssystem“ 1. c.)