54 Die methodologischen Grundlagen d. Grenznutzentheorie u. d. Marxismus
barer Standpunkt, wenn man, wie es „Oberst Torrens“ und auch
Böhm-Bawerk tun, im „Steine des Wilden — den Ursprung des
Kapitals‘ und in dem Wilden — den Kapitalisten sieht. Erst
als auf der Grundlage der Warenproduktion”® die Produktions-
mittel von einer einzigen Klasse als Eigentum monopolisiert und
dem Eigentum der Arbeiter, der einzigen in ihrem Besitz ver-
bleibenden Ware — der Arbeitskraft — entgegengestellt werden,
erst dann entsteht das eigentliche Phänomen, das man Kapital
nennt, folglich kann auch erst dann der „Profit des Kapitalisten“
entstehen. Dasselbe gilt für die Rente. Die Tatsache des ver-
schiedenen Bodenertrages bei verschiedenen Bodenparzellen allein
oder, wie die berühmte Formel lautet: „Das Gesetz des abnehmen-
den Bodenertrages‘‘ würde keinesfalls (selbst wenn es in der
Form existierte, in der es die radikalsten Malthusianer vertreten)
die Erscheinung der Grundrente verursachen. Sie entsteht erst
dann, als auf der Grundlage der Warenproduktion der Grund und
Boden von der Klasse der Grundeigentümer als Eigentum mono-
polisiert wird. Was den Unterschied im Ertrag der verschiedenen
Parzellen und das besagte „Gesetz‘ anbetrifft, so spielen sie ledig-
lich die Rolle der technischen Bedingungen, indem sie das soziale
Phänomen, nämlich die Rente, überhaupt erst möglich
mach en**. Deshalb sind auch die Klagen Böhms über manche
seiner Kritiker, denen er vorwirft, daß sie das „Wesen der Sache‘
nicht von der „Erscheinungsform“‘“ unterscheiden, unbegründet.
Das Wesen des Kapitals besteht nicht darin, daß es der „In-
begriff von Zwischenprodukten‘ ist (was doch das „Wesen“
der Produktionsmittel ist), sondern darin, daß es ein eigenartiges
gesellschaftliches Verhältnis darstellt, das eine Reihe von Ööko-
nomischen Erscheinungen zur Folge hat, die anderen Epochen
vollständig fremd blieben. Man kann natürlich sagen, daß das
52 In dem ersten Stein, den der Wilde auf die Bestie wirft, die er ver-
folgt, in dem ersten Stock, den er ergreift, um die Frucht niederzuziehen, die
er nicht mit den Händen fassen kann, sehen wir die Aneignung eines Ar-
tikels, zum Zweck der Erwerbung eines anderen und entdecken so — den
Ursprung des Kapitals.‘ (R. Torrens: „An Essay on the Production of Wealth“
usw., S. 70, 71.) (Siehe Karl Marx: „Kapital“, Bd. 1, S. 147, Anm.) Die Böhm-
Bawerksche Definition des Kapitals als den „Inbegriff von Zwischenpro-
dukten‘“ deckt sich folglich mit der Ansicht von Torrens, die Marx bereits
in seinem ersten Bande des Kapitals verspottete (vgl. Böhm-Bawerk: „Kapital
und Kapitalzins‘“, Bd. 2, Teil 1, S. 587.
53 Dies lassen oft die Kritiker Marx’ außer acht. Siehe z. B.: Fr. Oppen-
heimer: „Die soziale Frage und der Sozialismus‘, besonders der Abschnitt:
Robinson — Kapitalist.
54 Vgl. Stolzmann, 1. c. S. 26, und John Keynes, 1. c. S. 66: „... selbst das
Gesetz des abnehmenden Bodenertrages kann, als natürliche Erscheinung be-
trachtet, streng genommen, nicht als ökonomisches Gesetz angesehen werden.“