Der historische und der unhistorische Gesichtspunkt dd
Kapital eine Erscheinungsform der Produktionsmittel in der
gegenwärtigen Gesellschaft ist, doch darf nicht behauptet werden,
daß das moderne Kapital die Erscheinungsform des Kapitals
schlechthin und dieses mit den Produktionsmitteln identisch ist.
Einen historischen Charakter besitzt auch das Wertphänomen.
Wenn man sogar die individualistische Methode der österreichischen
Schule als richtig anerkennt, und versucht, aus dem „subjektiven
Wert“, d. h. aus individuellen Wertschätzungen der
einzelnen Personen den Wert schlechthin abzuleiten, so ist auch
in diesem Falle der Umstand zu berücksichtigen, daß in der modernen
Wirtschaft die Psyche des „Produzenten‘‘ einen ganz
anderen Inhalt hat als die des Produzenten in der Naturalwirtschaft
(und insbesondere als die Psyche eines „am Bache sitzenden‘
oder in der Wüste hungernden Menschen). Der moderne
Kapitalist, gleichgültig, ob er Vertreter des Industrie- oder des
Handelskapitals ist, interessiert sich ganz und gar nicht für den
Gebrauchswert der Produkte: er „arbeitet‘‘ mit Hilfe gedungener
„Hände‘‘ ausschließlich des Profits wegen, ihn interessiert nur
der Tauschwert.
Daraus ist ersichtlich, daß sogar das Grundphänomen der
politischen Oekonomie, nämlich das des Wertes, nicht mit dem
für alle Zeiten und Völker gemeinsamen Umstand, daß die Güter
irgendein menschliches Bedürfnis befriedigen, erklärt werden
kann. Dies ist aber die „Methode‘‘ der österreichischen Schule®?,
Und so kommen wir zum Schluß, daß die österreichische
Schule sich auf völlig falschem methodologischen Wege befindet,
indem sie von den Besonderheiten des Kapitalismus abstrahiert.
Eine politische Oekonomie, die die sozial-ökonomischen Verhältnisse,
d. h. die Beziehungen zwischen den Menschen erklären
will, muß eine geschichtliche Wissenschaft sein. „Wer die politische
Oekonomie Feuerlands — bemerkt Engels treffend und
bissig — unter dieselben Gesetze bringen wollte mit der des
heutigen Englands, würde damit augenscheinlich nichts zutage
fördern als den allerbanalsten Gemeinplatz®®.‘“ Diese „Gemeinplätze‘
können auf einem mehr oder weniger geistreichen Funda-5
„Den Ausgangspunkt, die Grundlage des ‚Systems‘ bildet die Analyse
der elementaren Erscheinungen des Gesamtgebietes der ökonomischen
Betätigung des Menschen in abstracto, abgesehen also von Besonderheiten
der sozialen Beziehungen.“ (Emil Sax: „Das Wesen und die Aufgaben
der Nationalökonomie“, S. 68.)
“8 Fr. Engels: „Herrn Eugen Dührings Umwälzung der Wissenschaft“,
III. Aufl., Stuttgart 1894, S. 150. Der unhistorische Charakter des Objektivismus
der „Mathematiker“ und „Anglo-Amerikaner‘‘ bringt sie zu einer rein
mechanischen Auffassung, bei der in Wirklichkeit keine Gesellschaft besteht,
sondern nur sich bewegende Dinge.
= FF