Full text: Die Entwickelung der Fabrikindustrie im lateinischen Amerika

Schluß. 
päischen Arbeiter qualitativ schlechter produzieren werden, 
so daß eine der europäisch-nordamerikanischen wettbewerbs- 
fähige Industrie in diesen Ländern niemals entstehen kann. 
Da es aber doch nicht auf die rein theoretische Frage der 
Möglichkeit einer. Entstehung der Fabrikindustrie in solchen 
Ländern überhaupt, sondern darauf ankommt, ob diese In- 
dustrie leistungs- und wettbewerbsfähig sein würde, und 
diese Frage verneint werden muß, ‚so ist damit auch die 
Frage der internationalen Arbeitsteilung in dem Sinne ent- 
schieden, daß diese Arbeitsteilung wegen der viel teuereren 
Produktion der Tropenindustrie dauernd bestehen bleiben 
wird. Es liegt darin eine gewisse ausgleichende Grenze, die 
von der Natur dem wirtschaftlichen Übergewicht einzelner 
Klimazonen gezogen wurde. Wäre die Einrichtung der Fabrik- 
industrie in den Tropenländern unter den gleichen Bedingungen 
wie in der gemäßigten Zone durchführbar, so müßten jene 
Länder und. in erster Linie die amerikanischen, als Produk- 
tions- und Verarbeitungsländer der Rohstoffe die wirtschaft- 
liche Vorherrschaft in einem Grade. an sich reißen können, 
daß die gemäßigte Zone, die jahrtausendealte Trägerin der 
menschlichen. Kultur, in vollständige Abhängigkeit von den 
neu sich bildenden Kulturgebieten geriete. Der Kulturträger 
bleibt aber immer der Mensch, und da ihm gerade das 
üppigste Tropenklima am meisten die für die Erfüllung hoher 
Kulturaufgaben erforderlichen physischen und moralischen 
Eigenschaften dauernd versagen wird, ‚so kann man wohl 
annehmen, daß die gemäßigte Zone, die, frei von der schäd- 
lichen Einwirkung der Extreme, die stetigste und höchste 
Kulturentwickelung aufweist, ihre Vorherrschaft in dieser 
Beziehung auch für immer behaupten wird. 
Anders wird sich die Auseinandersetzung gestalten, die 
die Länder der gemäßigten Zone untereinander abzumachen 
haben. Zunächst besteht die Tatsache, daß die nördliche 
gemäßigte Zone der südlichen in der Entwickelung weit 
voraus ist. Es wäre nun wichtig zu untersuchen, ob dieses 
Verhältnis sich dereinst in das Gegenteil verkehren oder 
wenigstens dahin ändern könnte, daß die beiden Klimagürtel 
sich die Wage halten werden.‘ Die Antwort soll vorgreifend 
mit „nein“ gegeben und die Begründung durch folgende 
Ausführungen versucht werden. 
Zunächst sind die für die Rückständigkeit der südlichen 
gemäßigten Zone bestimmenden Gründe geographischer 
Natur auch für die Weiterentwickelung maßgebend: Die Süd- 
halbkugel hat die weitaus geringere Landmasse, der amerika- 
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