Argentinien.
Wie die Zuckerindustrie, so hat auch die Weinindustrie
ihre Krise. durchzumachen. Die Leichtigkeit, mit der man
in Argentinien Wein im Inlande absetzen konnte, und der
Mißbrauch, der mit dem leicht ‚erhältlichen Kredit getrieben
wurde, um Kellereien und sonstige kostspielige Anlagen zu
machen, führten zu einer Überproduktion und zu einer Verschlechterung
des Erzeugnisses, wodurch ein beträchtlicher
Preissturz herbeigeführt wurde, der noch andauert. Hierdurch
und durch die geringe Leistungsfähigkeit ‚der die Weinprovinzen
bedienenden Westbahn, die den Weinbauern die
Einhaltung ihrer Lieferungsfristen unmöglich macht, wird es
der ausländischen Konkurrenz, namentlich der billig produzierenden
chilenischen, trotz der hohen Einfuhrzölle möglich,
in Argentinien mit Erfolg aufzutreten, und da der Weinverbrauch
im Lande sehr groß ist, hat die Regierung von einer
Erhöhung der Zölle Abstand genommen, um den Wein nicht
noch mehr zu verteuern*‘). Immerhin ist bei der Güte des
Bodens der Provinzen Mendoza und San Juan für den Weinbau
anzunehmen, daß dieser bei sachgemäßerem Betrieb der
Weinbereitung eine nicht unbedeutende Einnahmequelle für
Argentinien abgeben wird. Die argentinische Weinproduktion
beschränkt sich auf gewöhnliche Weine, während feine Sorten
und Schaumweine ausschließlich vom Auslande bezogen
werden. Die Einfuhr von fremdem Landwein, die mit der
Zeit durch das argentinische Erzeugnis ersetzt werden muß,
9 feinen Weinen hatte 1905 einen Wert von 6596589
a. 9.
d) Alkohol3.
Im Anschluß an die Maisproduktion, sowie die Zuckerund
Weinfabrikation hatte sich eine nicht unbedeutende Branntweinindustrie
entwickelt. 1895 wurden 131 Betriebe dieser
Art mit einem Kapital von 15012 366 P. Pap. gezählt. Die
Produktion aus Maismost, Zuckermelasse und Weintrebern
war folgende (Liter):
1891 16 436 568 1897 29 477 812
1892 71910571 PS 11211875
1893 28 590 105 1899 13137367
1894 26 159 23; 1909 12.974 716
1895 33 460 879 1901 14837 123
1896 32 796 741
. 1) Bericht des K. u. K. Österr.-Ungar. Gen.- Konsulats in Buenos
Aires 1907.
2) Dasselbe 1906.
3) Latzina S. 478. Berichte des K. u. K. Österr.-Ungar. Gen.-Konsulats
in Buenos Aires. 123