Full text : Die Entwickelung der Fabrikindustrie im lateinischen Amerika

Argentinien.
rung, um die Ausfuhr zu steigern, eine Ausfuhrprämie schuf.
Diese half aber dem Übelstande nicht ab, denn die Ausfuhr
ließ sich nicht steigern und der Verbrauch im Inlande nahm
nicht zu.‘ Es blieb also nur als einziges Mittel die Einschränkung
 der Produktion, um das Gleichgewicht zwischen
dieser und dem Verbrauch wiederherzustellen. Damit nahm
aber auch die Ausfuhr stark ab).
Wenn nun auch ein Teil der Zuckerfabriken den Betrieb
einstellen mußte, so ist doch trotz allem die Lage der noch
bestehenden Fabriken glänzend, wie die großartigen Dividenden
 einzelner Fabriken beweisen. Im Jahre 1906 stiegen
nämlich die Inlandspreise infolge der Verminderung der Produktion
 und der hohen Zölle gewaltig, und da auch die
Pflanzungen durch Fröste gelitten hatten, konnte der Inlandsverbrauch
 nicht mehr gedeckt werden, was die Nachfrage
sehr bedeutend steigerte. Schließlich wurde man genötigt,
Rohzucker aus Brasilien einzuführen, wodurch der Zucker
wegen der Zölle auch nicht billiger wurde. Im ersten Vierteljahr
 1907 wurden allein 15000 kg‘ eingeführt. Die Folge
davon war, daß die Zuckerzölle für Rohzucker von 0,07 auf
0,06 Cent. pro kg herabgesetzt wurden?). Von der wirtschaftlichen
 Bedeutung dieser Zustände soll später noch die
Rede sein.
Argentinien besitzt einen für Zuckerrohrbau sehr geeigneten
 Boden und könnte ein sehr bedeutender Zuckerausfuhrstaat
 werden. Bis jetzt bedeutet das Land aber noch
keine Gefahr, da die Zuckerbereitung weder in der Ausnutzung
 des Rohres noch in der Beschaffenheit des Erzeugnisses
 auf der Höhe steht.
Die Zahl der in Argentinien befindlichen, allerdings zurzeit
 nicht voll beschäftigten Fabriken beträgt 70, wovon über
30 in der Provinz‘ Tucuman liegen. Diese letzteren be-Schäftigen
 ständig etwa 8000, während der Ernte 15000
Arbeiter.
c) Weinindustrie®).
Die Weinindustrie ist von nicht geringer Bedeutung,
sofern der Ertrag der auf 40 000 ha geschätzten Anbaufläche
wirklich in Wein verwandelt wird. Die Kultur der Weinrebe
!) Vgl. Export 1903 Nr. 4, S. 49.
?) Vgl. Berichte des K. u K. Österr.-Ungar. Gen.-Konsulats in
Buenos Aires 1906, 1907.
& 16% 5 Mel Latzina S. 433/B. 4, 479 u. f.; L’Argentine au XX si@cle.
. U: 1.

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