Full text : Die Entwickelung der Fabrikindustrie im lateinischen Amerika

Argentinien.
hat namentlich in den Provinzen Mendoza und San Juan
außerordentlich günstige Bedingungen durch die Wärme: des
Bodens, das trockene Klima und die Menge.des zur Berieselung
 nötigen Wassers. Ein ha sechsjährigen Weinlandes trägt
jährlich 12-15 000 kg Trauben, und da 180—200 kg 1 hi
Wein geben, so erzielt man auf 1 ha im-Durchschnitt 60 hl.
Im Vergleich mit den europäischen Weinbergen, die 20—40 hl
vom ha ergeben, sind die Erträgnisse von Mendoza und
San Juan sehr bedeutend. Die Weinproduktion betrug:
1895 700 000 Liter
1800022821727. ;
PO25910730
19071 16253365,
Da aber hierdurch der inländische Verbrauch nicht gedeckt
wurde, war immer noch eine Einfuhr von 40—50 Mill. Liter
nötig.
Die Weinberge sind von bester Beschaffenheit und meist
mit guten französischen Reben bepflanzt; trotzdem lassen
die Erzeugnisse der argentinischen Weinindustrie viel zu
wünschen übrig. Die Ursache dieses schlechten Ergebnisses
liegt hauptsächlich in dem Mangel an Kapital, an dem diese
Industrie leidet und der es nicht gestattet, den Wein genügend
gären und lange genug lagern‘ zu lassen. Die argentinischen
Weinbauer sind genötigt, ihre Erzeugnisse so schnell als
möglich zu verarbeiten und auf den Markt zu bringen, um
ihren Verbindlichkeiten nachkommen zu können. Hierzu
kommt aber noch ein weiterer Übelstand, nämlich der, daß
die Weinfälschungen einen geradezu unglaublichen Umfang
angenommen haben. Latzina!) zeigt, daß unter dem Schutze
der hohen Zölle auf Wein eine sehr unreelle-Produktion entstanden
 ist. Es gebe zwei Arten der Herstellung von Wein,
eine erlaubte und eine unerlaubte. Die erlaubte vollziehe
sich in den Kellereien. von Mendoza und die unerlaubte in
den Fabriken der Hauptstadt. 1887 habe es dort vier solcher
Fabriken gegeben, 1894 dagegen 88. Und während 1887
die vier Fabriken 547 224 kg Trauben zur Weinbereitung verbrauchten,
 verarbeiteten 1894 die 88 Fabriken nur noch
97878 kg Trauben. Ein trauriges Beispiel dafür, wie sich
diese Fälschungsindustrie die Schutzzölle auf Kosten der
reellen Industrie zunutze zu machen weiß. Neuerdings haben
sich die Verhältnisse entschieden“gebessert.
1) .Latzina, S. 307.

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