Full text: Die Entwickelung der Fabrikindustrie im lateinischen Amerika

Argentinien. 
sionskasse in der Festlegung des Verhältnisses von Gold zu 
Papier (100: 227,27) liege. Nun ist aber die Frage, ob es 
gut ist, dieses Verhältnis dauernd aufrechtzuerhalten, oder 
ob nicht vielmehr das Bestreben dahin gehen muß, die Staats- 
finanzen derart zu Ordnen, daß eine vollständige Wieder- 
aufnahme der Goldzahlung eintreten kann. 
Das Konversionsgesetz ist eine Anordnung, die eine 
Solche Valorisierung über den festgesetzten Wert von 227,27 
hinaus hintanhält, auf der anderen Seite aber eine Entwer- 
tung des Papiergeldes nicht verhindern kann, denn die Fest- 
haltung des genannten Wertverhältnisses ist nur möglich, so- 
lange im Lande ein Überschuß an Gold vorhanden ist, das 
keine Verwendung findet und in die Konversionskasse fließt, 
um in Papier umgewechselt zu werden. Die günstigen 
Ernten der letzten Jahre hatten eine gewaltige Ausfuhr von 
Erzeugnissen der Landwirtschaft und Viehzucht zur Folge 
und führten den Goldüberschuß herbei, der die einzige Ur- 
sache der augenblicklichen Münzstabilität bildet. Diese ist 
zweifellos sehr segensreich für die gesamten Handelsgeschäfte, 
aber es erscheint klar, daß diese Stabilität unter den ge- 
gebenen Verhältnissen zu einem niedrigeren Verhältnis als 
227,27 nicht einzurichten war. Daraus geht hervor, daß, 
ohne die‘ Schranke des Konversionsgesetzes das Papier- 
geld heute schon vielmehr valorisiert wäre. Man findet 
auch in Argentinien vielfach die zweifellos richtige An- 
sicht verbreitet, daß, wenn die Konversionkasse nicht be- 
stünde und der Wert des Papiergeldes sich ausschließlich 
nach dem Spiel von Angebot und Nachfrage bestimmte, das 
Papiergeld heute schon 200 : 100 P. G. wert wäre, daß also 
durch diese künstliche Hintanhaltung der Papiergeldverbesse- 
rung das Nationalvermögen um ungeheuere Summen ge- 
schädigt wurde. 
) Angesichts solcher Tatsachen muß man sich doch 
fragen, wie es‘ möglich ist, ein so unheilvolles Gesetz auf- 
rechtzuerhalten, das nicht nur eine schlechte Währung schützt, 
sondern zugleich eine der Hauptursachen ist, aus denen das 
ausländische Element in Argentinien nicht festen Fuß fassen 
will. Die Antwort ist einfach. Der fiskalische Schutz, den 
das industrielle Kapital gegenüber der europäischen Industrie 
genießt, war nicht genügend, und man mußte es auch noch 
durch den Schutz verstärken, der in der Münzverschlechte- 
rung den Lohnansprüchen gegenüber eingeschlossen ist. Da- 
her genießt das Kapital in Argentinien einen doppelten Schutz, 
durch die Zölle und durch die Währung, und an dem Iletz- 
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