Full text: Die Entwickelung der Fabrikindustrie im lateinischen Amerika

Argentinien. 
und der nationalen Territorien, die 1904 2038000 P. P. 
betrug. In Wirklichkeit belief sich der Ertrag auf 5 Mill., 
aber da die Regierung 35% der Bundeshauptstadt, 40 %, 
dem nationalen Erziehungsrat abzutreten hat, verfügt sie nur 
über den Rest; 2. aus den Abgaben für Patente in Handel 
und Industrie, die 2 168 179 P. P. einbrachten, aber auch teil- 
weise der Hauptstadt und dem nationalen Erziehungsrat 
überlassen werden mußten. 
Die indirekten Steuern bringen das meiste ein: sie 
umfassen die Zolleinnahmen und die inneren Verbrauchs- 
steuern. 
Die Einfuhrzölle brachten 1904 40296 704 P. G.; die 
Ausfuhrzölle*) 2 258 761 P. P.; die Verbrauchssteuern 37 Mill. 
P. P. = 16 Mill. P. G. also 20 % der Gesamteinnahmen; den 
Hauptertrag dieser Steuer lieferte der Alkohol mit 16 Mill. 
und der Tabak mit 14 Mill. 
Welchen Einfluß hat nun diese Einrichtung des Steuer- 
systems auf die Volkswirtschaft und besonders auf die Fabrik- 
industrie in Argentinien gehabt? Wie oben gezeigt, bringen 
die Einfuhrzölle den größten Beitrag zu den Staatseinnahmen, 
während die Ausfuhrzölle aufgehoben sind, was unter Berück- 
sichtigung der besonderen Verhältnisse Argentiniens als eine 
Ungerechtigkeit und. als eine verfehlte Maßregel bezeichnet 
werden muß. Zu den Ausfuhrzöllen wurden hauptsächlich 
die reichen Großgrundbesitzer und Viehzüchter herangezogen, 
die jetzt nach Aufhebung dieser Zölle, da Grund- und Ein- 
kommensteuern nicht bestehen, zu den Steuern nur noch 
durch den ganz ihrem Ermessen überlassenen Verbrauch an 
Gegenständen, die den indirekten Steuern unterliegen, bei- 
tragen. Diese Aufhebung war ein reines Geschenk an die 
reichen Grundbesitzer, die in normalen Zeiten bequem 15 
bis 20% des Anlagekapitals erhalten und deren Tätigkeit 
hauptsächlich darin besteht, „zuzusehen, wie der Regen die 
Weiden wachsen läßt und wie die Sonne die Tiere zur Ver- 
mehrung reizt“?). Zweifellos täte aber die Befreiung von 
Abgaben der großen Masse, die von der Arbeit lebt, viel 
mehr not als den Reichen. Gerade die Frage der Ausfuhr- 
zölle ist ein Beweis dafür, daß das Besteuerungswesen in 
solchen neuen Ländern mit eigentümlichen und nur teilweise 
erschlossenen wirtschaftlichen Grundlagen von einem ganz 
anderen Gesichtspunkte aus beurteilt werden muß als das- 
1) Die Ausfuhrzölle wurden im Jahre 1904 abgeschafft. 
2) Latzina S. 606. 
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