Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

SCHWEIZ.  -  Sociales.

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ter,  die  nicht  einmal  studirt  zu  haben  brauchen)  vom  Volke  gewählt,  und
dies  nur  auf  eine  gewisse  Zeitdauer.  Es  gibt  also  keinen  Beamten  st  and,
keine  hohen  Besoldungen,  keine  Pensionen.  Und  doch  herrscht  hier
(neben  voller  Press-  und  Versammlungsfreiheit)  Ruhe  und  Ordnung,  wie
in  keinem  Lande  in  höherm  Maasse.  Die  neue  Bundesverfassung  hat
auch  bereits  mehrfach  äusserst  wohlthätig  gewirkt,  insbesondere  auf  Beschränkung ­
  des  »  Kantönligeistes,  a  so  namentlich  durch  die  Bestimmung,
dass  die  Schweizer  in  allen  Kantonen  gleiche  Rechte  geniessen  ;  dass
alle  Schweizer  das  Recht  freier  Niederlassung  besitzen,  dann  durch  Beseitigung ­
  aller  Binnenmauthen,  Einführung  gleicher  Münze  und  Maasse
u.  s.  w.
Im  Einklänge  mit  den  politischen  Zuständen  herrscht  in  der  Schweiz
auch  in  mercantiler  Beziehung  das  Princip  der  Freiheit,  —  das  Freihandelssystem. ­
  Mit  welchem  Erfolge  ?  Die  Eidgenossenschaft,  höchst
ungünstig  gelegen,  weit  vom  Meere,  von  den  wichtigsten  Bezugsquellen
entfernt  ;  rings  umgeben  von  Staaten  mit  Schutzzöllen,  sonach  von  deren
Märkten  mehr  oder  minder  ausgeschlossen  ;  dazu  bei  sehr  hohen  Tagelöhnen,' ­
  und  ohne  die  wichtigen  Steinkohlen,  —  hat  dennoch  alle  jene
Schutzzollstaaten  mit  ihrer  Industrie  überflügelt.
Die  wichtigsten  Industriezweige  sind:  1)  in  Seide;  gegenüber  einer  Einfuhr
von  k3%  Mill.  Fres  in  roher  und  17  Mill,  in  verarbeiteter  Seide,  betrug  1858  die
Ausfuhr  ungef.  231  Mill.  (1857  247  Mill.),  Gewicht  35,988  Cntr.  ;  2)  in  Baumwolle, ­
  deren  1858  209,289  Cntr.  (1859  259,822)  in  rohem  Zustande  eingeführt
wurde,  Werth  gegen  11*/,  Mill.,  ausgeführt  für  etwa  54'/,  (1859  75'/,  Mill.)  ;
3)  Uhrenfabrikation  ;  4)  Strohgeflechte  ;  5,  Käse  (Rindvieh  und  ebenso  Butter
führt  die  Schweiz,  obwol  Gebirgsland,  weit  mehr  ein,  als  aus).*)
Mmenbahnen.  Ungeachtet  der  Terrainschwierigkeiten  standen  Ende  1893
249,98  schweizerische  Stunden  =  1192  Kilom.  oder  190%  deutsche  Meil.  im
Betriebe,  ungerechnet  2,8  Kil.  Pferdebahn.  Schon  Mitte  1891,  als  erst  1013
Kilom.  im  Betriebe  standen,  zählte  man  49  Tunnels  von  17,297  Met.  Länge;
es  ist  sonach  der  90ste  Theil  der  Bahnen  unterirdisch.  Der  Tunnel  des  Loges,’
Jurabahn,  misst  3259,  der  Hauensteintunnel  2495  Met.  ;  auf  13,000  Kilom.
deutscher  Bahnen  misst  der  längste  Tunnel  nur  1933  Met.)  Im  Bau  59  Schweiz!
Stunden,  ausserdem  concessionirt  31'/,  Stdn.  Im  J.  1854  hatte  man  erst  8*/,
Stunden  Schienenwege.
Telegraphen.  Bei  einem  Tarifsätze  von  nur  einem  Franken  ist  das  Institut
dem  Publicum  und  der  Staatscasse  sehr  nützlich  geworden.  Die  Idnien  hatten
189,1  eine  Länge  von  3192  Kilom.  und  eine  Drahtlänge  von  9107.  Es  bestanden
199  Bureaux  (sogar  auf  dem  Rigiberge;  in  ganz  Preussen  1892nur  191).  Zahl  der
Depeschen:  1893  459,871,  wovon  298,778  interne,  119,212  internationale  und
41,881  transitirende.  Die  Einnahme  war  972,000  Fres.,  die  Ausgabe  571,000,
somit  Reinertrag  101,000.
Vogt.  1893  2108  Bureaux  und  Ablagen.  Brieftaxe  lO  Rapp.,  unfrankirt  15,
Localtaxe  5  Rapp.,  Zeitungen  %  R.  pr.  Blatt.  Briefe  33’311,271  =  12,73  pro
Kopf;  Zeitungsblätter  23*493,470.
Damnfgchife.  Auf  II  Seen  fuhren  1892  90  Dampfboote,  worunter  (Bodensee ­
  und  Lago  maggiore)  allerdings  21  ausländische.

*  Siehe  die  nähern  Nachweisungen  in  den  »Beiträgen  zur  Statist,  d.  Industrie ­
  und  des  Handels  der  Schweiz,  von  G.  Fr.  Kolb;  Zürich  1859«  (besonders ­
  abgedruckt  aus  der  »Monatsschrift  des  wisscnschaftl.  Vereins  in  Zürich«).
—  In  der  Schweiz  wird  so  wenig  wie  im  Zollvereine  eine  amtl.  Abschätzung  des
Werthes  der  Waaren  vorgenommen.  Im  Uebrigen  herrscht  auch  in  diesem
Zweige  selbstverständlich  die  grösste  Oeffentlichkeit,  wie  die  monatlichen  Veröffentlichungen ­
  und  bes.  die  alljährlichen  Zusammenstellungen  beweisen.
            
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